Was ist Inflation?

Ob beim Einkauf im Supermarkt, an der Zapfsäule oder beim Bier in der Kneipe: Die aktuelle Inflationsrate macht sich deutlich in unserem Alltags bemerkbar. Doch wie genau kommt es eigentlich dazu?

Wenn die Bäckerei um die Ecke den Preis für eine Brezel erhöht, bedeutet das nicht automatisch, dass wir uns in Zeiten steigender Inflationsraten befinden.

Damit die Inflationsrate ansteigt, müssen viele Preise in verschiedenen Bereichen ansteigen.

Ist die Nachfrage nach einem Produkt höher als das Angebot, steigt normalerweise der Preis. Das kann durch Lieferengpässe oder gestiegene Rohstoffpreise (wie Rohöl oder Erdgas) verursacht werden.

Wenn Produkte auf einmal stärker nachgefragt werden und die Produktion nicht hinterherkommt, kann das ebenfalls die Preise steigen lassen. Man spricht hier von Nachfrageinflation.

Druckt die Zentralbank mehr Geld, womit mehr Geld im Umlauf ist, kann dies ebenfalls das Preisniveau steigen lassen, wenn die Geldmenge die Gütermenge übersteigt.

Aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten steigt der Druck, die Löhne zu erhöhen. Um diese zu finanzieren, sind die Unternehmen gezwungen, die Preise zu erhöhen, was dann wiederum höhere Lohnforderungen auslöst. Dies nennt man die "Lohn-Preis-Spirale".

Wenn der Zins geringer als die Inflationsrate ist, gibt es einen negativen Realzins: Das Geld auf dem Konto verliert an Wert.

Wenn außerdem die Nachfrage wegen der gestiegenen Preise sinkt, müssen Unternehmen ihre Preise weiter erhöhen, um Verluste auszugleichen. Gleichzeitig gehen die Investitionen durch die gestiegenen Kosten zurück.

Die Inflationsrate ist die durchschnittliche Teuerungsrate eines repräsentativen Warenkorbs.

Für Deutschland zeigt der Verbraucherpreisindex (VPI) anhand eines Korbs aus Waren und Dienstleistungen, wie sich die Preise verändern.

Ist Inflation per se schlecht?

Nein, eine moderate Teuerungsrate ist sogar erwünscht. Für den Euroraum strebt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Denn eine Deflation – ein Sinken des Preisniveaus – kann ebenfalls negative Folgen haben. Durch geringere Gewinnerwartungen sinkt die Investitionsbereitschaft, was die Produktion zurückgehen lässt. Die Volkswirtschaft rutscht in eine Rezession, und Unternehmen müssen infolgedessen Angestellte entlassen.

Aktuelle Situation: Die aktuellen hohen Inflationsraten haben hauptsächlich zwei Ursachen:

1) Ende der Corona-Restriktionen: Durch die Einschränkungen aufgrund der Pandemie kam es zu einem Investitionsstau. Mit dem Ende der Einschränkungen wurden diese nachgeholt. Auch Privatpersonen gaben mehr Geld aus: Endlich konnten wieder Restaurants besucht und in den Urlaub gefahren werden. Diese plötzlich stark wachsende Nachfrage ließ die Preise steigen.

2) Energiekrise durch den Ukrainekrieg: Der Krieg führte zu Verknappungen und Unsicherheiten auf dem Gas- und Ölmarkt. Insbesondere Deutschland war vor dem Krieg sehr abhängig von russischen Gaslieferungen.

Im September betrug die Inflationsrate in Deutschland zehn Prozent und war damit so hoch wie seit 70 Jahren nicht mehr.

Die Preise für Heizöl und Erdgas sind nun ungefähr doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor.

Die EZB versucht nun, die Inflationsrate wieder zu senken, indem der Leitzins schrittweise erhöht wird.

Damit werden Kredite teurer. Unternehmen werden daher weniger Investitionen tätigen.

Privatpersonen sind ebenfalls zurückhaltender bei der Aufnahme neuer Kredite, zum Beispiel für ein neues Auto. Geld auf dem Sparkonto dürfte in Zukunft höher verzinst werden, wodurch Geld lieber gespart als ausgegeben wird.

Das alles lässt die Nachfrage zurückgehen, was den Preisanstieg wieder verlangsamen wird.

Prognosen des Ifo-Instituts gehen davon aus, dass die hohen Inflationsraten noch bis ins kommende Jahr anhalten werden. Für 2023 wird eine Inflationsrate von 9,3 Prozent vorausgesagt. Erst 2024 soll sie sich mit 2,4 Prozent wieder dem Ziel der EZB annähern.

Aufgrund der sinkenden Nachfrage wird die Wirtschaft in Deutschland höchstwahrscheinlich 2023 in eine Rezession rutschen und sich dann ebenfalls erst 2024 wieder normalisieren.

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Veröffentlicht am 14.11.2022
Credits

Creative Direction: Jan Schwochow
Grafik und Animation: Anton Delchmann
Text: Johannes Rößner
Research: Johannes Rößner

Quellen
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