01. Dunkle Wolken über dem Regenbogen-Camp

Jahrelang verhandelte die Regenbogen AG mit Vertretern des Landes Mecklenburg-Vorpommern über die Zukunft des schönsten Campingplatzes Deutschlands. Nun ist er in Gefahr.

Lange Zeit war die Welt im Regenbogencamp Prerow in Ordnung. Menschen machen seit 1957 Urlaub auf einem der schön­sten Camping­plätze Deutsch­lands. Den Blick über die Dünen auf die Ostsee konnte nichts trüben. Fast nichts…
Regenbogen hatte nach der Wende schon mehrere Millionen D-Mark in den Platz investiert. Nun sollte die nächste Stufe gezündet werden. Naturschutz und sanfter Touris­mus sollten mit weiteren Millionen perfekt in Harmonie gebracht wer­den. Für die nötigen Genehmi­gungen im hoch­sensiblen Gelände brauchte die Betreiberin des Platzes die Zustim­mung des Umwelt­minis­teriums und die des National­parks.
Das ging nur mit einem Konzept, das Öko­logie und Öko­nomie mit­ein­ander ver­bindet. Im März 2015 präsen­tierte die AG im Umwelt­minis­terium in Schwerin ihr Ge­samt­konzept. Es trug den Titel „Prerow 2020“. Schnell nannten es alle Beteiligten "das Leucht­turm­projekt". Eine Aner­kennung, die sich auch im Proto­koll des Termins wiederfindet.
2016 fing eine Arbeits­gruppe mit Ver­tre­tern der Regen­bogen AG und des National­parks an, die Rahmen­bedin­gungen für das Leucht­turm­projekt auszu­arbeiten. Dem National­park ging es um die Rena­turierung möglichst großer Camping­platz-Flächen. Die Priorität der Betreiberin war es, die Wirt­schaft­lich­keit zu erhalten und zugleich die Attrak­tivität des Platzes zu steigern. Trotz unter­schied­licher Interessen waren die Gespräche immer davon geprägt, eine gemein­same Lösung zu finden.
So präsentierte der Nationalpark in einem Treffen zum Beispiel die geforderten Flächen­aufgaben, um die natürliche Entwicklung der Dünen zu garantieren. Im folgenden Treffen präsentierte die Regen­bogen AG ein natur­schonendes Stelzen­dorf: Stell­plätze auf mobilen Stegen. So sollte die ungehinderte Ent­wicklung der Dünen gewährleistet werden. Schon wegen dieser konstruktiven Zusammen­arbeit ist die AG davon ausgegangen, ein partner­schaftliches Ver­hältnis zum Umwelt­minister und dessen Ministerium zu haben.
In einem finalen Verhandlungstermin am 11.9.2017 engagierte sich der Minister sogar als "Planungs­zeichner". Umwelt­minister Dr. Back­haus malte händisch Linien für die Flächen­auf­gaben in einer Karte ein. Die AG sollte sich verpflichten, zu ver­schie­denen Ter­minen Areale zu rena­turieren. Das sei die Voraus­setzung für die Um­setzung des Leucht­turm­projektes. Die Regen­bogen AG begrüßte das Vor­gehen und verließ Schwerin mit einer Vereinbarung per Handschlag durch den Minister.
Im Januar bestätigte ein Schreiben des Umwelt­ministers die Ver­ein­barung. In ihm wiederholte Dr. Back­haus nochmals, dass er für die Um­setzung des Gesamt­konzeptes sei. Im anlie­genden Proto­koll des Termins vom 11.9.2017 wurden die Themen zu­sam­men­gefasst, in der ange­fügten Karte wurden die Maß­nahmen visualisiert. Für die Camping­platz-Betreiberin waren Anschreiben, Proto­koll und die Karte die lang ersehnte Bestä­ti­gung für die getrof­fene Ver­ein­ba­rung zur Um­setzung des gemein­sam ent­wickel­ten Leucht­turm­projek­tes. Alles schien auf dem Weg.
Dr. Backhaus hatte zwei Vorbehalte. Erstens müsse Regen­bogen weiterhin den Camping­platz betreiben - etwas, das damals noch außer­halb seines Ein­flusses lag. Und zweitens solle der Erfolg der Stelzen­dörfer im Jahr 2040 über­prüft werden. Bestätigt sich, dass sich die Dünen frei ent­wickeln, könnte die Nutzung noch erweitert werden. Anderen­falls müsste die Fläche ab 2041 aufgegeben werden.
Während der Corona-Pande­mie konkreti­sierte sich das Gesamt­konzept und wurde umge­tauft: "Prerow 2020" hieß jetzt "Prerow 2k2x". Parallel beantragte die AG Förder­mittel für Investi­tionen in Mecklen­burg-Vor­pom­mern. Mit dem dama­ligen Finanz­minister Meyer sprach der Vorstand über die Idee, dass Regen­bogen die gesamten Camping-Flächen kauft oder in Form eines lang­jährigen Erbbau­pacht­ver­trages zur Ver­fügung gestellt bekommt. Die Investi­tionen in Prerow wurden per Minister­ent­scheid mit einen erhöhten Förder­satz von 20% bewilligt.
Selbst als die Fläche im Frühjahr 2022 die Eigen­tümerin wechselte und medien­wirksam an die Landes­stiftung Umwelt- und Natur­schutz über­geben wurde, fühlte sich Regen­bogen als Touris­mus-Partner des Lan­des. Durch den Zu­wen­dungs­bescheid für die Förder­mittel war die AG sogar ver­pflichtet, Förder­mittel in die Um­setz­ung des Leucht­turm­projektes zu inves­tieren. Alles schien bereit für die Umsetzung des gemeinsam ausgearbeiteten Plans.
Neben der gemeinsamen jahrelangen Entwicklung dieses Gesamt­konzeptes, gab es drei gute Gründe, warum sich die AG weiterhin als Partnerin sah:
Erstens bekräftigte die vorherige Eigen­tümerin öffent­lich, dass ein Verkauf ihrer Fläche auch an unter­nehmerische Rahmen­bedingungen geknüpft sei. Dabei erwähnte der zuständige Vorstands­vorsitzende konkrete Inhalte. Zum Beispiel das Stelzendorf.
Zweitens bekräftigte Björn Schwake (Vorstands­vor­sitz­ender der neuen Eigen­tümerin und lang­jähriger, partner­schaft­licher Vertrauter des Regen­bogen Vorstands), wie sehr er sich auf die Zu­sam­men­arbeit und Um­setzung des Leucht­turm­projektes mit der Regen­bogen AG freue.
Und drittens das Land selbst. In vielen Gesprächen erlebte der AG-Vorstand eine vorbild­liche Hands-On-Mentali­tät des Ministers Dr. Back­haus, um Lösungen zu finden. Die Betreiber nahmen daher an, dass er das Gesamt­konzept mit ihnen umsetzen wollte – denn selbst seine Vor­be­halte aus 2018 hatten sich auf­ge­löst, da nun das Land Eigen­tümerin der Flächen war. Ein Land, das der AG kürzlich erst für Investi­tionen in Prerow einen erhöhten Förder­satz bewilligt hatte. Damit waren alle Zweifel beseitigt.

Ein folgenschwerer Irrtum, der eine ganze Region nun aus dem Gleichgewicht bringt.

⮕Scrollen Sie hier weiter, um zu erfahren, wie ein Minister einen Leuchtturm zum Kippen bringt.

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Veröffentlicht am 25.09.2026
Credits

Fotos: Regenbogen AG; Google Maps; Wikipedia; Danny Gohlke/landtag-mv.de; Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Grafik und Animation: Jan Schwochow, Scrollytelling GmbH
Produktion: Scrollytelling GmbH

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24232 Schönkirchen