Spiel mit gezinkten Karten? Wie eine zweifelhafte Ausschreibung das Chaos vollständig macht.
Schon am 1. Februar 2023 veröffentlichten Nationalpark und Stiftung eine entsprechende Bekanntmachung.
Trotz der bereits getroffenen Vereinbarungen aus 2017 nahm die Regenbogen AG an dem Verfahren teil. "Prerow 2k2x" wurde auf Basis der Anforderungen geschärft und überarbeitet. Wie gefordert, reichte die AG das 10-seitige Werk "Zwei Logos, ein Konzept" ein.
Im Mai 2023 bekam Regenbogen ein Schreiben, dass die AG in der zweiten Runde des Verfahrens sei. Nach kurzem Aufatmen wurde das Konstrukt selbst immer zweifelhafter. Ein großer Wettbewerber kam überraschend nicht in die zweite Runde. Unternehmen ohne die geforderte Campingerfahrung dafür schon. Kritische Fragen wurden nur teilweise beantwortet. Und Inhalte des Regenbogen-Konzepts wurden an alle Teilnehmenden versendet. Ein zweifelhaftes Verhalten.
Durch große Übersichtskarten des Geländes wurden die Ideen erlebbar. Jedes der Teilprojekte wurde erläutert: Problem, Lösung, Visualisierung, Planung und Kostenrechnung. Am Ende stand ein Ordner mit 12 aufklappbaren Teilprojekten und einer Investitionssumme von über 7 Millionen Euro. Aus "Prerow2k2x" wurde "Rückzug" - ein Leuchtturmprojekt naturschonender Erholung im Nationalpark.
Zum Abgabetermin der zweiten Runde wurde nochmals auf ungeklärte Themen des laufenden Pachtvertrags über die Infrastrukturfläche des Platzes verwiesen. Nach der Auffassung der Regenbogen AG läuft dieser bis 2042. Das sah Dr. Backhaus anders. Was heute sicher ist: Wäre nicht mit Druck dieses zweifelhafte Wettbewerbsverfahren durchgesetzt worden, sondern hätte das Land zuerst die Vertragslage sauber geklärt, wäre die heutige, chaotische Situation nicht entstanden.
Donnerstag, 17. August 2023, Präsentation des Gesamtkonzeptes vor einer Jury. Tags drauf, am Freitag, 18. August um 11:20 Uhr, schrieb Herr Haffner vom Nationalpark, dass die Regenbogen AG auf dem dritten Platz gelandet sei. Diese Abstimmung zwischen Verfahrens-Gremium, Kuratorium der Stiftung und Dr. Backhaus ging zügig.
Nur 40 Minuten später berichtete die Ostseezeitung über den Ausgang des Verfahrens. Ein Großteil der Mitarbeitenden des Regenbogencamps Prerow erfuhr so aus der Presse, dass sie womöglich bald ihre Arbeitsplätze verlieren könnten. Der Umweltminister garnierte allerdings die Pressemitteilung mit dem Versprechen, dass alle Mitarbeitenden des Regenbogencamps ein Angebot des neuen Betreibers bekommen würden – und alle Dauercampenden bleiben dürften.
Patrick Voßhall, Vorstand der Regenbogen AG, ist verwundert über das Verhalten des Ministers und fasst zusammen: "Wir hatten klare Vereinbarungen mit ihm – über Jahre erarbeitet. Wir werden gezwungen, Flächen aufzugeben und Dauercampenden zu kündigen. Jetzt hat er auf Basis unserer Vereinbarungen ein zweifelhaftes Verfahren veranstaltet. Und er will einem Wettbewerber einen Pachtvertrag geben, obwohl wir noch einen haben. Wir haben oft gewarnt. Das lassen wir nicht mit uns machen. Gegen diese staatliche Willkür wehren wir uns."
Ob am Ende der Leuchtturm leuchtet, klären nun die Gerichte. Ein Minister, auch wenn er es gerne würde, bestimmt nicht die Regeln der Demokratie. Er ist nur ein Teil davon.
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Veröffentlicht am 25.09.2026
Credits
Fotos: Regenbogen AG; Google Maps; Wikipedia Grafik und Animation: Jan Schwochow, Scrollytelling GmbH Produktion: Scrollytelling GmbH