Antarktis

Unbewohnt, aber fast 40-fach so groß wie Deutschland, gilt der 7. Kontinent mit seinem kalten, trockenen und stürmischen Klima als natürliches Archiv für die Naturgeschichte der Erde.

Sein Eispanzer über dem Fest­land ist bis zu vier­ein­halb Kilo­meter dick und würde als Schmelz­wasser den Meeres­spiegel um fast 60 Meter ansteigen lassen. Die Ant­arktis hat ent­schei­denden Einfluss auf das Weltklima.

Der antarktische Zirkumpolarstrom verbindet als einzige Meeres­strömung direkt den Atlan­tischen, Indi­schen und Pazifi­schen Ozean. Er ist damit die mächtigste Meeres­strömung der Welt.

Das Meereis in der Ant­arktis schmilzt so stark wie nie zuvor. Im Februar 2023 ver­zeichnen Satelliten­daten ein Rekord­minimum der Meer­eis­fläche seit Mess­beginn im Jahr 1979.

Besonders der Thwaites-Gletscher schmilzt rasant. Sein völliger Verlust würde Küsten­gebiete weltweit überfluten.

Der riesige Gletscher in der West­antarktis gilt als entscheidender Kipp­punkt im globalen Klima­system. Zusammen mit dem benach­barten Pine-Island-Gletscher ver­binden sie das Zentrum des West­ant­arktischen Eis­schildes mit dem Ozean und leiten gemeinsam beträcht­liche Mengen an Eis ins Meer ein.

Die Rekord-Eisschmelze führt zu einem massen­haften Pinguin-Sterben. Kaiser­pinguine leiden massiv unter dem Ver­schwinden der Meer­eisfläche, die sie für die Auf­zucht ihrer Küken benötigen. 2022 starben offenbar alle Küken in vier von fünf Kolonien in der Bellings­hausensee.

Auch die Robben­bestände sind gefährdet. Robben bauen auf dem Meereis über ihren Atem­löchern Höhlen, in denen sie ihre Jungen gebären und groß­ziehen. Bricht das Eis jedoch auf oder schmilzt, gelangen die Jung­tiere zu früh ins Wasser und ertrinken.

Immer mehr Touristen entdecken die Polar­regionen als Reise­ziel. Ein Trend mit nega­tiven Folgen. Der Schiffs­verkehr emittiert Ruß­partikel aus dem Treib­stoff, die als dunkle Ablagerung auf dem Schnee die Wärme­strahlung absorbieren.

Gleiches gilt für Flug­zeuge, Gene­ratoren und Heli­kopter. Deren Ruß­partikel aus der Ver­bren­nung fos­siler Brenn­stoffe machen die Schnee­decke dunkler, wodurch sie sich stärker erwärmt als eine weiße Schnee­decke und schneller schmilzt.

Auch die Forschungs­teams selbst verur­sachen mit ihren per­ma­nenten Stationen Emis­sionen, die als dunkle Nieder­schläge auf dem Eis die Wärme­aufnahme fördern. Wie hier Palmer Base auf Anvers Island.

Die Gegenwart des Menschen bereitet der Unbe­rührt­heit der Antarktis Probleme. Nicht nur die Touristen lassen Abfall zurück. Auch in der Region, in der sich die meisten For­schungs­stationen befinden, nimmt die Müll­belastung stark zu.

Noch eine andere Erscheinung ist be­denk­lich. Forscher haben im Schnee der Antarktis Mikro­plastik entdeckt. Jede einzelne Probe aus frisch gefallenem Schnee in der südlichen Hälfte des ant­arktischen Ross­meeres weist Mikro­plastik auf. Hier der Blick auf die Ross­barriere des Ross-Schelfeises.

Doch es gibt auch er­freu­liche Forschungs­ergebnisse. Ein aus­tra­lisches For­schungs­team hat im Jahr 2019 das Erbgut von Lebe­wesen, die vor einer Million Jahre gelebt haben entdeckt. Es ist damit die älteste bisher in Meeres­sedi­menten gefundene DNA. Der Fund könnte auch Er­kennt­nisse über die Folgen des der­zeitigen Klima­wandels liefern.

Ein Sensationsfund gelang einem Expeditions­steam mit dem Einsatz von Unter­wasser-Drohnen. Die Forscher ent­decken 2022 das Wrack des legen­dären For­schungs­schiffes "En­du­rance"von Ernest Shackleton in einer Tiefe von 3008 Metern. Das Schiff war dort im Jahr 1915 gesunken. Shackleton und seine Crew über­lebten alle und retteten sich.

Auf der deutschen Polar­station Neumayer III wollen Forscher be­weisen, dass für den Anbau von Obst und Gemüse weder Feld noch Sonne nötig sind. Die Forschungen kön­nten Grund­stein für die land­wirtschaft­liche Be­wirtschaftung und Be­siede­lung anderer Planeten sein.

Hoffnung: Satelliten­bilder zeigen eine allmähliche Erholung der Ozonschicht über der Antarktis. Auf­grund der Lang­lebigkeit der FCKW-Ver­bindungen er­wartet man aller­dings erst in etwa 50 Jahren wieder einen Zu­stand auf dem Niveau vor der Indus­tri­alisierung.

Die Bildfolge zeigt das Ozon­loch in der Ant­arktis am 16. Sep­tem­ber in den Jahren 1979, 1987, 2006 und 2011. Die beiden jüngsten Bilder zeigen die bisher niedrigsten (2006) bzw. zweit­niedrigsten (2011) Ozon­konzen­trationen (blau dargestellt). Sie wurden vom Aura-Satelliten auf­ge­nommen.

Die Zahl der an Land lebenden antarktischen Tierarten ist gering. Es gibt nur wenige Säuge­tiere – dafür aber sehr große: Ein Buckel­wal geht in der Nähe von Wal­be­obachtern nahe den Enter­prise Islands auf Tauchgang.

Dagegen bietet die antarktische Unter­wasser­welt neben rund 200 Fisch­arten eine Viel­zahl von boden­be­wohnenden Orga­nismen. Dabei stoßen Meeres­biologen auch immer wieder auf un­ent­deckte Arten. Im Bild sind Benthonten am Meeresb­oden des Ross­meeres zu sehen.

Gefährdet sind die Fauna und Flora durch die Ein­schlep­pung nicht-heim­ischer Arten. Um die Ver­breitung von leben­den Orga­nismen zu ver­hindern, desinfi­zieren sich die Forscher ihre Schuhe. Der Erhalt des Öko­systems in der Ant­arktis ist für uns alle Lebens­notwendig.

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Veröffentlicht am 17.04.2024
Credits

Fotos und Videos: ddp media GmbH, Hamburg
Bildredaktion und Texte: Thomas Fuchs, ddp media GmbH
Grafik und Animation: Jan Schwochow, Storytelling GmbH
Produktion: Storytelling GmbH

Quellen
  1. 01ddpimageshttps://www.ddpimages.com
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