Bei Dianas Beerdigung stand die ganze Welt still. Sie trauerte um eine einzigartige Frau – die Prinzessin des Volkes.
»Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, ich habe die ganze Nacht wach gelegen«
Prinz Harry (damals 12) zu seinem Vater Charles am 31. August 1997
»Ist es wahr,
dass Mummy
tot ist?«
Prinz William (damals 15 Jahre alt)
Zeugnis der Liebe
Eine Woche lang versinkt Großbritannien in einem Blumenmeer. Millionen Sträuße zieren die Straßen Londons. Die Welt nimmt Abschied von einer Frau, die, obwohl ihr nach der Scheidung der Titel »Königliche Hoheit« entzogen wurde, mehr als alle anderen Royals verehrt wurde.
»Als Lady geboren,
zur Prinzessin geworden,
als Heilige gestorben«
Worte auf der Schleife eines Trauerkranzes
Ein Meer aus Blüten
Vor dem Kensington Palace, dem Zuhause von Lady Diana, werden Kerzen, Sträuße und Abschiedsbriefe niedergelegt, die zeigen, wie das Volk um sie trauert. Menschen aller Nationen, jung und alt, alle kommen sie, um von »der Prinzessin der Herzen« Abschied zu nehmen und ihr die letzte Ehre zu erweisen.
»Im Herzen all derjenigen weiterzuleben,
die wir auf Erden zurücklassen,
heißt, nicht zu sterben.«
(Thomas Campbell, 1777–1844)
Sinnspruch am Tor des Kensignton Palace in den Tagen der Trauer vor dem Begräbnis von Diana, Prinzessin von Wales
Die Queen verneigt sich
Erst fünf Tage nach Dianas Tod wendet sich die Königin öffentlich an ihre Nation. Davor war sie viel dafür kritisiert worden, dass sie nicht sofort nach London zurückgekehrt war. Zum Zeitpunkt der Tragödie war sie mit Prinz Charles, William und Harry im Urlaub im Balmoral. Es sei ihr wichtig gewesen »William und Harry zu helfen, mit dem verheerenden Verlust fertig zu werden«, sagt sie in ihrer Ansprache.
»Sie war eine außergewöhnliche und begabte Persönlichkeit. In guten wie in schlechten Zeiten verlor sie nie ihre Fähigkeit zu lächeln und zu lachen oder andere mit ihrer Wärme und Güte aufzumuntern.«
Königin Elizabeth II. im September 1997 zum Tod Dianas
Als Dianas Sarg während des Trauerzugs den Buckingham-Palast passiert, tut die Queen etwas, mit dem niemand gerechnet hätte: Sie verneigt ihren Kopf vor Dianas Sarg, um ihren Respekt auszudrücken. Als Oberhaupt der Familie Windsor verneigt sich die Königin vor niemandem. Andere müssen sich laut Protokoll vor ihr verneigen.
»Sie berührte das Leben so vieler durch Freude und Trost, in Großbritannien ebenso wie auf der ganzen Welt.«
Tony Blair, damaliger Premierminister
Einzigartiger Gottesdienst
Am 06. September 1997 findet Dianas Trauerfeier statt. Weltweit verfolgen etwa zwei Milliarden Menschen das Ereignis. Als der Sarg den Palast in Richtung Kirche verlässt, wird er von ihrem Bruder Earl Spencer, ihrem Exmann Prinz Charles, ihren beiden Söhnen Prinz William und Prinz Harry, und auch von Prinz Philipp begleitet. Er war es, der die beiden Jungen auf den Abschied vorbereitete. Als Unterstützung versprach er ihnen, während des Trauerzuges an ihrer Seite zu stehen.
»Ich werde nicht in einem blöden Zug mitlaufen.«
hatte William unter Tränen gesagt. Philipp erwiderte beruhigend: »Wenn ich gehe, gehst du dann mit mir?«
Abschiedsworte
In einem Blumenbouquet auf Dianas Sarg lag ein handgeschriebener Brief mit der Aufschrift »Mommy«, den der damals 12-jährige Harry seiner Mutter mit auf die letzte Reise gab. Was drin stand, wird er nie erzählen.
»Es war, als ob ich außerhalb meines Körpers wäre. Ich ging einfach mit, tat, was von mir erwartet wurde und zeigte nur ein Zehntel der Gefühle, die alle anderen zeigten. Das war meine Mutter, ihr habt sie nie kennengelernt.«
sagte Prinz Harry in der The Me You Can't See Dokumentarserie.
Eine umstrittene Trauerrede
Dianas jüngerer Bruder Charles Spencer spricht in seiner Trauerrede über ihr Leiden, ihre Bulimie und das Leben als Gejagte. Er kritisiert das Königshaus, als er
verspricht, sich um William und Harry zu kümmern, damit sie »weiterhin einfühlsam und liebevoll erzogen« und »nicht einfach von Pflicht und Tradition überspült werden«. Die Rede hatte er vorher extra nicht von den Royals freigeben lassen, um sicherzugehen, dass sie keine Passagen daraus streichen.
»Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass von allen Ironien um Diana diese vielleicht die größte war: Ein Mädchen, das den Namen der antiken Göttin der Jagd trägt, war schließlich die meistgejagte Person der Neuzeit.«
Charles Spencer
Ein Song, der allen aus der Seele spricht
Zu den bewegendsten Momenten des Gottesdienstes zählt Elton Johns gefühlvolle Darbietung von »Candle in the Wind« – den Song über Marilyn Monroe, den er zu Ehren Dianas auf sie umschrieb. Elton John war ein enger Freund der Prinzessin. Er schafft es mit dem Lied nicht nur seine Gefühle, sondern die der ganzen Welt auszudrücken. Das »Diana-Tribut« wird nur ein einziges Mal live aufgeführt und ist bis heute einer der meistverkauften Songs aller Zeiten.
»Goodbye England's rose, may you ever grow in our hearts«
»Auf Wiedersehen, Englands Rose, mögest du immer in unseren Herzen wachsen.«
Ruhe in Frieden
Noch am selben Tag wird Diana im familiären Rahmen auf dem Familiensitz der Spencers beigesetzt. Ihre letzte Ruhestätte liegt auf einer kleinen Insel, inmitten eines Sees im Althorp Park. Sie wird »die Insel der Tränen« genannt. Das Wasser soll wie ein »Puffer gegen die Eingriffe von Wahnsinnigen und scheußlichen Menschen wirken«, sagte Dianas Bruder.
»Wir haben uns dafür entschieden, dass dieser Ort mit seiner Schönheit und Ruhe der Platz für Diana ist.«
Charles Spencer in einem Interview 1998
Ihr Vermächtnis lebt weiter
Zehn Jahre nach ihrem Tod geben Prinz William und Prinz Harry zu Ehren ihrer Mutter ein Benefizkonzert im neuen Wembley-Stadion in London. Sie wäre an dem Tag 46 Jahre alt geworden. Elton John eröffnet das Konzert mit dem Lied »Your Song«. Alle 17 Künstler verzichten auf ihre komplette Gage, sodass der Erlös mehreren Charities zugute kommt, die ihre Söhne ausgesucht haben.
»Dieser Abend erinnert an all das, was unsere Mutter liebte: ihre Musik, ihren Tanz, ihre gemeinnützigen Organisationen und ihre Familie und Freunde.«
Williams Eröffnungsworte beim Gedenkkonzert
Für immer und ewig
Zu Dianas 60. Geburtstag enthüllen Prinz William und Prinz Harry im »Sunken Garden« im Kensington Palace eine Bronzestatue, die Diana umgeben von drei Kindern zeigt. Der Ort zählte zu einem der Lieblingsplätze der Prinzessin von Wales. Dort verbrachte sie viel Zeit, auch mit ihren beiden Söhnen. Durch die Statue soll immer an die »Liebe, Kraft und Persönlichkeit ihrer Mutter« erinnert werden, sagen Harry und William.
»Jeden Tag wünschen wir uns, dass sie noch bei uns wäre, und unsere Hoffnung ist, dass diese Statue für immer als Symbol ihres Lebens und ihres Erbes angesehen wird.«
Harry und William in einem gemeinsamen Statement
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text: Nele Justus, Elisabeth Borchardt
Research: Tanna Nankivell, Elisabeth Borchardt