Die Brände des Sommers

Europa steht in Flammen. Die diesjährigen Waldbrände sind verheerend. Noch nie wurden bis August derart viele und große Brandflächen verzeichnet. Ein Überblick aus dem All.

Bis zum 05. August 2022 sind in Europa bereits 600.731 Hektar Wald abgebrannt, das meldete die Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Union. Die größten Schäden seit Beginn der Aufzeichnungen 2006 und dabei ist gerade einmal die Hälfte der »Sommerbrandmonate« (Juni bis September) um.

Jeder Punkt ein Feuer.
Wie sich an den gelben (gelöschte Brände) und roten (aktuelle Brände) Punkten erkennen lässt, sind besonders Italien, Spanien, Portugal und Frankreich dieses Jahr wieder stark betroffen.

Aber auch die Ukraine verzeichnet aufgrund des Krieges unzählige gelöschte sowie aktuelle Brände.

In Deutschland leidet vor allem der Osten an langen Trockenperioden, die die Waldbrandgefahr begünstigen.

Schon seit Anfang August wütet im Berliner Grunewald ein Brand auf einem Sprengplatz. Die Lage bleibt weiterhin angespannt. 25 Tonnen Munition, Feuerwerkskörper und Kampfmittel lagern auf dem Platz, der von der Berliner Polizei betrieben wird. Zwar hat die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle, der Sprengplatz aber bietet weiterhin Gefahr für neue Explosionen, deren Feuer auf den Wald übergehen könnten.

Auch in der Sächsischen Schweiz an der Grenze zu Tschechien war die Lage in den letzten zwei Wochen ernst. Mittlerweile haben die Feuerwehrleute die Brände, die auf deutscher Seite brannten, auf eine kontrollierbare Fläche eingegrenzt. Regen aber, der die Feuer endgültig ablöschen würde, ist weiterhin nicht in Sicht.

Aus zwei Rauchsäulen wird ein Flächenbrand. In einem tschechischen Nationalpark in der Nähe von Dresden wurde der Brand am 25. Juli wieder entdeckt, der schon als gelöscht galt.

Nun kam er mit voller Wucht zurück und breitete sich in drei Tagen auf mehrere hundert Hektar aus. Vermutete Ursache: Brandstiftung.

Auch vom Satelliten aus sind die abgebrannten Flächen und knapp geretteten Orte gut zu erkennen. Zeichnet man den Ort der Zerstörung ein und überträgt ihn auf …

Berlin, sind ganze Stadtteile unter ihr verschwunden. Der Tiergarten wäre abgebrannt, dazu Flächen von Mitte und angrenzende Bezirke.

Danach breitete sich das Feuer rasend schnell auf mehrere Tausend Hektar Wald aus.

Rund 14.000 Einwohner und Urlauber mussten in Sicherheit gebracht werden.

Fast zur selben Zeit herrscht auf den Campingplätzen in der Nähe der Dune de Pilat, Europas höchster Wanderdüne, noch keine Panik. Die Feuer bei Bordeaux scheinen weit weg.

Auf dem Satellitenbild erkennt man, dass die ersten Flammen mitten im Wald entstehen. Schon bald entfachen sie ein Flammen-Inferno und driften auseinander.

Beide verheerenden Brände haben mehr als 20.000 Hektar Wald zerstört. Eine Fläche so groß wie Bordeaux.

Spanien und Portugal sind wie fast jedes Jahr stark betroffen. Durch die extrem große Hitze jenseits der 45 Grad und anhaltende Trockenheit waren die Feuer allerdings kaum noch zu löschen.

In der Nähe zu Portugal entfachte sich Anfang Juli ein Brand. Noch sehen wir das Waldgebiet völlig intakt.

Kurze Zeit später waren die Feuer nicht mehr zu bändigen. Die lila Flächen zeigen das betroffene Gebiet.

Wieder eine Woche später war die abgebrannte Fläche schon nahezu so groß wie das Stadtgebiet von Madrid.

Starke Trockenheit und Temperaturen um die 40 Grad machen auch Griechenland zu schaffen.

Noch sehen wir nur ein paar Wolken über der Insel Kreta. Alles scheint ruhig.

Am 14. Juli brach im Süden der Insel ein Waldbrand aus, dessen Flammen durch starke Winde weiter angeheizt wurden. Der große Brand konnte am 19. Juli unter Kontrolle gebracht werden.

Was der Mensch damit zu tun hat:

Die meisten Flächenbrände sind gar keine Waldbrände, sondern Forstbrände, sagen Experten. Ein gesunder Mischwald schützt sich selbst vor Feuer, ein von Menschen gepflanzter Fichtenwald brennt schon durch seine Geographie schnell. Zuerst fangen die Nadeln am Boden Feuer, dann erreichen die Flammen den ganzen Baum und durch die angelegten Alleen weht der Wind als Brandbeschleuniger.

Die in diesem Jahr insgesamt in Europa abgebrannte Landfläche ist jetzt schon mehr als doppelt so groß wie die Fläche Luxemburgs und wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den noch kommenden zwei »Sommermonaten« weiter vergrößern. Europa brennt weiter, das ist sicher.

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Veröffentlicht am 12.10.2022
Credits

Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text & Research: Elisabeth Borchardt, Christian Krug Co-Produzent: Vertical52

Quellen
  1. 01Satellitenbilder: Planet Labshttps://www.planet.com/
  2. 02FIRMS/NASAhttps://firms.modaps.eosdis.nasa.gov/
  3. 03Foto: Getty Imageshttp://www.gettyiamges.de/
  4. 04Copernicushttps://effis.jrc.ec.europa.eu/apps/effis_current_situation/
  5. 05saechsische.dehttp://www.saechsische.de/
  6. 06energiezukunft.euhttp://www.energiezukunft.eu/
  7. 07www.euractiv.dehttp://www.euractiv.de/
  8. 08www.geo.dehttp://www.geo.de/
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