Körperverletzung, Vergewaltigung, Mord: Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hat das Bundeskriminalamt die aktuellen Statistiken veröffentlicht. Hier kommen Zahlen, die fassungslos machen
In Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer oder sexualisierter Gewalt.
Das sind mehr als 12 Millionen Frauen.
Frauen erleben Gewalt – unabhängig von Alter, Bildung oder sozialem Status. Jede vierte erleidet sie durch ihren (Ex-)Partner.
Seit 2015 legt das Bundeskriminalamt Zahlen zur Gewalt in Partnerschaften vor und erfasst damit die Fälle, die angezeigt wurden. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen. Viele Frauen trauen sich nicht, zur Polizei zu gehen – aus Scham, aus Angst um sich und gemeinsame Kinder oder wegen finanzieller Abhängigkeit.
2021 gab es laut BKA 143.016 Fälle von Gewalt in Partnerschaften. Davon waren 80,3 Prozent der Opfer weiblich und 19,7 Prozent männlich.
78,6 Prozent der betroffenen Frauen wohnten mit dem Täter zusammen.
Gewalt in Partnerschaften nimmt seit Jahren zu. Besonders hoch war die Zahl der Opfer 2020, ein Grund könnte der Lockdown sein.
Ob Mord, Totschlag oder Körperverletzung: 34,6 Prozent aller registrierten Delikte in Deutschland geschahen in Partnerschaften.
Auch sexuelle Nötigung und Vergewaltigungen finden häufig in Beziehungen statt. Von 16.412 angezeigten sexuellen Übergriffen im Jahr 2021 war in jedem fünftem Fall ein Partner (91) oder eine Partnerin (3.527) betroffen.
Besonders hoch ist die Anzahl der weiblichen Opfer von Gewalt in Partnerschaften in den Altersklassen 20 bis 40 Jahre. Manche überleben sie nicht.
Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, eine Frau zu töten.
Jeden dritten Tag gelingt es und eine Frau stirbt durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners.
Gewalt kommt in allen sozialen Schichten und Kulturkreisen vor.
Von 118.148 tatverdächtigen Personen waren etwa 66 Prozent Deutsche. Wenn man jedoch die Zahlen auf die Gesamtbevölkerung bezieht, dann sind die Fälle bei der ausländischen Bevölkerung rund vier mal so hoch wie bei den Deutschen.
2020 starben 139 Frauen,
2021 waren es 113 Femizide.
Im Vergleich: 14 Männer starben im letzten Jahr durch ihre Partnerin oder Partner.
Was ist ein »Femizid«?
»Femizid« bedeutet, dass eine Frau aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Vorstellung von Weiblichkeit getötet wurde. Zu Femiziden zählen auch sogenannte Ehrenmorde, die gezielte Abtreibung von weiblichen Föten oder wenn Frauen im Krieg oder bei Verbrechen geplant getötet werden.
In Europa kam es im Jahr 2017 zu 3000 Femiziden.
Ist das auch ein weltweites Problem?
Ja, belegt eine UN-Studie zu Femiziden: 2017 wurden weltweit etwa 87.000 Frauen getötet. Bei 50.000 davon war der Täter ein Partner, Bruder, Onkel oder Vater.
Berücksichtigt man die Bevölkerungsanzahl der Staaten, gibt es in Europa besonders viele Femizide in Lettland und Litauen. Deutschland steht auf Platz sechs.
Wer Gewalt erlebt oder beobachtet, kann sich unter der Nummer 08000 116 016 Unterstützung holen. Das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« ist rund um die Uhr verfügbar.
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text & Research: Jana Felgenhauer