Schärferer Blick ins All

Das Webb-Teleskop lässt uns fast bis zum Urknall zurückblicken. Nie gesehene Planeten und Galaxien schaffen ein neues Verständnis des Universums.

Aufbruch in eine neue Dimension.
Am 25.12.2021, nach 30 Jahren Vorbereitungszeit, startete das »James Webb Space Telelescope« (JWST) an Bord einer Ariane-Trägerrakete ins Weltall. Sie sollte das Teleskop 1.5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt absetzen.

Wissenschaftler aus der ganzen Welt, im Auftrag der NASA, dem Europäischen Raumfahrtprogramm »ESA« und dem Programm Kanadas, hatten an dem Projekt mitgewirkt. »Webb« sollte, so der Plan, deutlich tiefer in die Geschichte des Weltalls blicken können als sein Vorgänger »Hubble«, der seit 1990 Bilder aus fernen Galaxien lieferte.

Nach 30 Tagen koppelte sich »Webb« aus der Ariane ab und entfaltete ein fast 300 Quadratmeter großes, mehrschichtiges Sonnensegel.

Kern der 10 Milliarden Dollar teuren Anlage ist ein 25 Quadratmeter großer Spiegel mit einem Infrarotkamerasystem.

Die unterschiedlichen Dimensionen lassen die enorm gestiegene Leistungsfähigkeit des Webb-Teleskopes erahnen.

Mindestens 10 Jahre lang soll das Teleskop Bilder liefern, die fast bis zum Urknall zurückreichen, dem Beginn aller Planeten und Sonnensysteme. Und damit dem Beginn allen Lebens vor ca. 13,8 Milliarden Jahren. 

Dieses Bild wurde mit der Infrarotkamera des Spitzer-Weltraumteleskops (2003-2020) der NASA aufgenommen. Es zeigt einen Ausschnitt der Großen Magellanschen Wolke. Diese kleine Satellitengalaxie der Milchstraße bietet ein dichtes Sternenfeld. Um die Leistung des neuen Webb-Teleskopes zu testen …

eignet es sich besonders gut. Durch die hochauflösenden Infrarot-Kamerasysteme sehen wir Sterne und interstellares Gas viel detaillierter. Der Beginn einer neuen Dimension der astronomischen Wissenschaften.

Das Lichtspektrum reicht von extrem langwelligen Gammastrahlen bis zu Mikrowellen.

Hubble kann zwischen ultraviolettem Licht und Infrarot Dinge für uns sichtbar machen. Das Weltraumteleskop Spitzer deckt den Bereich zwischen Infrarot und deutlich kürzeren Terahertzwellen ab.

Webb ist dafür konzipiert, Infrarotwellen sichtbar zu machen. Dadurch kann Licht eingefangen werden, das Milliarden Jahre zuvor »ausgesendet« wurde.

Zeitreise

Für die meisten Menschen ist es schwer vorstellbar, aber die Ereignisse, die durch Webb nun erstmals sichtbar werden, liegen Millionen und Milliarden Jahre zurück. Webb lässt uns an der Entstehung des Universums teilhaben. Noch sind es nur einige Bilder, die durch die NASA ausgewertet wurden, aber sie eröffnen jetzt schon einen tiefen Blick in die Unendlichkeit.

Sternen-Geburt im Gas.

Das neue Bild der Galaxiengruppe »Stephan's Quintet« vom Webb Teleskop liefert völlig neue Informationen darüber, wie galaktische Wechselwirkungen die Entwicklung der Galaxien im frühen Universum vorangetrieben haben könnten. Es zeigt die schnellen Ausströmungen des Gases in der Nähe ihres supermassereichen Schwarzen Lochs.

Jetzt können Wissenschaftler erkennen, wie interagierende Galaxien die Sternentstehung in anderen Galaxien auslösen und wie das Gas in den Galaxien gestört wird.

Carina Nebel

Diese Landschaft aus »Bergen«  und »Tälern« , gesprenkelt mit glitzernden Sternen, ist in Wirklichkeit der Rand eines nahen Sternen-Entstehungsgebiets namens NGC 3324 im sogenannten Carina-Nebel.

Das Webb-Teleskop hat dieses Bild im infraroten Licht aufgenommen und enthüllt damit zum ersten Mal die frühesten, schnellen und bisher unsichtbaren Phasen der Sternentstehung.

Mit dem neuen Blick auf diese 7500 Lichtjahre von der Erde entfernte Region im All kann Webb neu entstehende Sterne sehen und das Gas und den Staub untersuchen, aus denen sie entstanden sind.

Die unterschiedlichen Farben in der Darstellung sind nicht die »echten« Farben. Die Infrarot-Aufnahmen werden erst durch ein Computerprogramm für uns sichtbar gemacht und so dargestellt, dass wir Schattierungen und Lichter in ihnen erkennen können.

Sterbender Stern

Webb fängt den letzten »Auftritt« eines Sterns des planetarischen Nebel des Südlichen Rings ein. Genauer sehen wir zwei Sterne, einen deutlich jüngeren und einen älteren, die sich wie ein galaktisches Liebespaar verhalten.

Der sterbenden Stern stößt Gas und Staub aus. Der Jüngere in seiner Umlaufbahn trägt dazu bei, die Form der Ringe dieses Nebels zu verändern, indem er Turbulenzen erzeugt.

Das Wagenrad

Webb zeigt uns erstmals das Gas-Chaos der Cartwheel-Galaxie und zweier kleinerer Begleitgalaxien vor dem Hintergrund vieler anderer Galaxien. Sie befinden sich etwa 500 Millionen Lichtjahren von uns entfernt im Sternbild Sculptor.

Blick an den Anfang des Universums

Die Entwicklung der Galaxien, die wir hier sehen, liegt ungefähr 10 Milliarden Jahre zurück. Noch nie zuvor konnten Menschen tiefer ins All blicken.

Das, was Webb hier sichtbar gemacht hat, liegt rund fünf Milliarden Jahre nach dem Urknall. Nach diesem Urknall gab es eine Zeit von rund 300 Millionen Jahren tiefster Dunkelheit.

Im intergalaktischen Elemente-Chaos danach entstanden die ersten Sterne, die nun nach und nach für uns sichtbar werden. Wir reisen durch Webb zu unserer Entstehung zurück und begreifen die Zusammensetzung des Weltalls.

Eine Reise mit unglaublichem Potential für die Menschheit.

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Veröffentlicht am 03.08.2022
Credits

Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text: Christian Krug
Research: Elisabeth Borchardt

Quellen
  1. 01NASAhttp://www.nasa.gov/
  2. 02NASA, ESA, CSA, and STScIhttps://www.flickr.com/photos/nasawebbtelescope/albums/72177720300469752/
  3. 03Fotos: Getty Imageshttps://www.https://www.gettyimages.de/
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