Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Aber auf welche Daten beziehen wir uns eigentlich? Und sind sie noch aktuell? Um den Klimawandel zu verstehen, arbeitet ein neuer Supercomputer namens »Levante« im Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ). Er kostet 45 Millionen Euro und hat eine gigantische Rechenleistung. Hilft er der Menschheit zu überleben?
Wettervorhersagen haben ihre Grenzen. Denn das Klima ist eines der komplexesten Systeme überhaupt, da es von so vielen Faktoren beeinflusst wird. Sein Zustand ist immer von Anfangsbedingungen abhängig. Sobald sich diese aber minimal verändern, kann es langfristig zu einer völlig anderen Wetterentwicklung kommen.
Dieses Phänomen wurde von Edward N. Lorenz als »Schmetterlingseffekt« bezeichnet. Es geht um die Unvorhersehbarkeit der langfristigen Auswirkungen.
Um zu präziseren Vorhersagen zu gelangen, wurden Computer entwickelt, die sogenannte Ensemblerechnungen durchführen. Das heißt, dass ein Klimamodell mehrere Male mit jeweils leicht variierten Anfangsbedingungen gerechnet wird, um so herauszufinden, welche Klimaentwicklungen am wahrscheinlichsten sind.
Ein solcher Supercomputer befindet sich im DKRZ in Hamburg. »Levante« ist das vierte Hochleistungsrechnersystem für die Erdsystemforschung (HLRE-4) und wird mit 45 Millionen Euro von der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert.
Auf der ganzen Welt gibt es nur sehr wenige andere Rechenzentren, die wie das DKRZ auf die Klimaforschung spezialisiert sind. In Deutschland ist Levante, der von Atos gebaut wurde, der viertschnellste Computer überhaupt und der Einzige, der allein für die Klimaforschung genutzt wird. Fortan ermöglicht er neue Perspektiven für die computergestützte Klimawissenschaft.
Woraus besteht Levante?
Levante besteht aus 2.832 eng vernetzten Computern mit je zwei Prozessoren, die zusammen eine Spitzenrechenleistung von 14 PetaFLOPS liefern. Das sind 14 Billiarden mathematische Operationen pro Sekunde und entspricht einer Rechenpower von ungefähr 30.000 bis 50.000 Bürocomputern.
Um die Rechenergebnisse ordentlich abspeichern zu können, ist Levante mit einem 130 Petabyte Speichersystem ausgestattet. Das entspricht mindestens 28 Millionen vollgeschriebenen DVDs oder 260.000 großen Notebook Festplatten mit jeweils 500 Gigabyte.
Levante benötigt unter Volllast etwas mehr als 2 Megawatt Strom. Im Vergleich zu anderen großen Rechenzentren, die älter sind, ist das allerdings kein besonders hoher Verbrauch. Durch eine fortschrittliche Warmwasserkühlung und gleichzeitige Abwärmenutzung im Nachbargebäude der Uni Hamburg ist das DKRZ sogar energieeffizient.
Ein Kreuzfahrtschiff dagegen, das im Hamburger Hafen am Landstrom angeschlossen ist, benötigt im selben Zeitraum mehr als die doppelte elektrische Leistung.
Durch den Zuwachs an Rechenleistung im Vergleich zu dem Vorgänger Mistral (HLRE-3) ermöglicht Levante noch präzisere Einblicke in das Klimasystem. Forscher können Simulationen nun mit bis zu einem Quadratkilometer aufgelösten globalen Klima- und Erdsystemmodellen durchführen. Solche Modelle erlauben erstmals eine rein physikalische Darstellung wichtiger kleinräumiger Klimaprozesse.
Um die expliziten Darstellungen zu erreichen, werden die Atmosphäre, die Ozeane und andere Teile des Erdsystems in dreidimensionale Untersuchungsgebiete, sogenannte Gitterboxen eingeteilt. Je kleiner die Maschen sind, desto genauer lässt sich die Entwicklung des Klimas simulieren und desto mehr Details lassen sich untersuchen. Das Ziel ist, mögliche Klimaveränderungen zukünftig präziser zu prognostizieren.
Klimaforschung ist Grundlagenforschung. Sie hat das Ziel, das Verständnis und Wissen um die komplexen Abläufe und Wechselwirkungen von Atmosphäre, Ozeanen, Kryosphäre und Biosphäre zu verbessern. Levante hilft uns also dabei, das Klima besser zu verstehen und die Folgen des Klimawandels zu erforschen.
Dabei konzentriert sich der Supercomputer besonders auf die Simulationen des Temperaturanstiegs und die Entwicklung der Niederschlagsmenge. Durch die rechtzeitigen Vorhersagen über den Klimawandel können sich zum Beispiel die Landwirtschaft und Fischerei an die Folgen anpassen, die durch den Klimawandel nicht mehr vermieden werden können.
Damit wir nicht im Blindflug in den Klimawandel rasen, wird Levante in den kommenden sechs Jahren das DKRZ in der Klimaforschung unterstützen. Seine errechneten Daten und Erkenntnisse werden helfen, bevorstehende Klimaveränderungen frühzeitig vorherzusehen, um sich auf ihre Folgen vorzubereiten.
Außerdem werden sie Deutschland in der globalpolitischen Diskussion unterstützen, andere Länder davon zu überzeugen, dass die Welt ein ernstes Problem hat und dieses nur global gelöst werden kann. Levante lässt uns die Veränderungen der Welt besser verstehen.
Creative Direction: Jan Schwochow
Grafik und Animation: Jina Bae
Text & Research: Elisabeth Borchardt