LNG – Fluch oder Segen?

LNG ist das Schlagwort der Energiekrise in Europa. Taugt das Fracking-Gas, um die Energiekrise einzudämmen? Ist es der Heilsbringer gegen die kalten Wintertage? Die USA exportieren jetzt riesige Mengen nach Europa. Auch in Deutschland könnte Schiefergas gefördert werden. Wäre es nicht 2017 verboten worden.

In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden die USA zum größten LNG-Exporteur der Welt und überholte Australien und Katar. In ihrem Bestreben, die Gasversorgung zu sichern, scheint das Fracking-Gas die einzige Option zu sein, die Energiekrise schnell zu überwinden.

Wie funktioniert Fracking überhaupt? Was passiert unter der Erde bei diesem umstrittenen Gas-Förderungsprozess?
Im Prinzip sehen wir davon nur den kleinsten oberirdischen Teil. Der eigentliche Prozess findet tief unter der Erdoberfläche statt. Dabei müssen unterschiedliche Sedimente durchbohrt werden, die wir am Beispiel eines Untergrundes zeigen, der sich auch in Deutschland so vorfindet.

Zur Stabilität werden in das Bohrloch mehrere unterschiedlich dicke Rohre eingesetzt, die auch unterschiedlich weit in die Tiefe reichen.

Eine mehrfache Ummantelung aus Spezial-Zement dichtet die insgesamt vier Stahlrohre in Höhe der Erdschichten ab, in denen die Vorkommen des Grundwassers liegen.

Das Bohrloch verjüngt sich mit zunehmender Tiefe. Neue Rohre werden in das nächst größere Rohr einzementiert.

Der Liner – als innerstes Rohr – ist durchgängig bis zur Endtiefe und wird zum Pumpen des Frack-Fluids und zur Förderung des Schiefergases verwendet.

In bis zu 5000 Meter Tiefe beginnen die erdgasführenden Schichten und die Bohrung verläuft horizontal. Unter hohem Druck wird eine chemisch angereicherte Flüssigkeit in das Gestein gepresst. Dadurch entstehen Risse im Sediment und das Gas wird freigesetzt. Durch das selbe Rohrsystem strömt nun das Gas an die Oberfläche.

Technik seit 80 Jahren bekannt.
Schon in den 1940er Jahren wurden durch die Zugabe von Chemie Bohrfelder länger ausgeschöpft, als es herkömmliche Methoden ermöglichten. Erst in den 1990er Jahren wurde die Technik auch bei unterirdischen Schieferfeldern eingesetzt, die mit normalen Bohrungen nicht abgeschöpft werden konnten. Doch die Methode stieß schon früh auf erbitterten Widerstand derjenigen, die unweit der Bohrstellen lebten. Man befürchtete Umwelt- und Gesundheitsschäden. Diese Befürchtung besteht bis heute.

Die meisten Vorkommen vom sogenannten Schiefergas vermutet man in China, Argentinien und Algerien.

Doch die USA sind mit Abstand der größte Förderer dieses Rohstoffes. Zum Transport muss es stark heruntergekühlt werden. Dabei verflüssigt es sich. Und wird von da an kurz LNG (Liquefied Natural Gas) genannt. So verdichtet, hat LNG nur ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas.

Die amerikanischen LNG-Exporte haben seit 2016 stark zugenommen. Und die Zahlen steigen weiter. Der Einbruch in der Grafik zeigt die Reaktion auf die gesunkene Nachfrage während der ersten Pandemiewelle Mitte 2020.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2022 stiegen die LNG-Exporte der USA nach Europa um 74%. Durch den Krieg in der Ukraine und die gedrosselte Erdgasmenge der Russen, steigt der Anteil von LNG in Europa rasant an. In Asien hingegen sinkt er. Dorthin liefert Russland wiederum nun größere Mengen Erdgas. Europa wird der mit Abstand größte LNG-Importeur.

LNG wird normalerweise über große Entfernungen transportiert. Speziell konstruierte LNG-Tanker können 4-5 Tanks fassen und werden auf minus 161 Grad Celsius gekühlt, damit das Gas in flüssiger Form bleibt. LNG-Tanker sind im Durchschnitt 300 Meter lang und 43 Meter breit und können rund 180.000 Kubikmeter fassen. Die größten können bis zu 260.000 Kubikmeter fassen. Am Bestimmungsort wird das LNG wiederverdampft …

Dann kann es über das europäische Gasnetz verteilt werden, das 200.000 km Transportleitungen und zwei Millionen Kilometer Verteilungsnetz umfasst.

Da Deutschland bisher mehr als 55% seines gesamten Gasbedarfs aus Russland bezieht, befindet es sich nun in einem Wettlauf mit der Zeit, um sich vom russischen Gas zu lösen und gleichzeitig seine Versorgung zu sichern. Dazu müssen deutlich mehr LNG-Terminals gebaut werden. Standorte in Wilhelmshaven und Brunsbüttel sind beschlossen und deren Bau teilweise schon im Gange. Für Stade und Lubmin gibt es ebenfalls Pläne.

LNG-TERMINALS:
IM BETRIEB
IM BETRIEB (AUSBAU GEPLANT)
IM BAU
GEPLANT

Aber warum importieren wir eigentlich LNG? Auch in Europa gibt es Vorkommen.
Die einfach Antwort: Fracking ist in den meisten Ländern der EU verboten. Durch die Gasknappheit ist die Diskussion wieder neu entfacht worden, auf unser eigenes Schiefergas zuzugreifen. In Teilen Frankreichs, Großbritanniens, Polens, der Ukraine und sogar Deutschlands gibt es ein hohes Schiefergaspotenzial:

hohes Potential
geringes Potential

Schauen wir nach Deutschland.
Hier ist Fracking seit 2017 verboten. Die größte Sorge galt dem Trinkwasser, das durch die Chemie verunreinigt werden könnte. Sicher würden die Vorkommen langfristig den Bedarf nicht decken, aber gefördert werden könnte in weiten Teilen der Republik. Vor allem südlich der Donau, in Niedersachsen und NRW sind bei Probebohrungen große Schiefergasfelder entdeckt worden.

Fracking ist ohne Zweifel ein kontroverses Thema.
Bei dieser Fördertechnik werden große Mengen des Treibhausgases Methan freigesetzt. Dazu können sich giftige Chemikalien langfristig im Erdreich festsetzen. Doch viele fragen sich jetzt:
Ist es moralisch vertretbar, Umweltschäden in anderen Teilen der Welt zu akzeptieren und im eigenen Land nicht zuzulassen?

Schon im Wahlkampf ein Streitthema
Kaum jemand hat geglaubt, dass das Thema Fracking 2022 wieder auf der politischen Agenda erscheint. Durch das landesweite Verbot schien es beerdigt. Doch die FDP will, dass das Verbot von unkonventionellem Fracking nun erneut überprüft wird. Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck ist dagegen. Obwohl sein Ministerium Gas, das genau mit dieser Technik gewonnen wurde, in immer größeren Mengen importieren will. In der Fracking-Diskussion wird, soviel scheint sicher, schon bald eine neue Stufe gezündet.

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Veröffentlicht am 12.08.2022
Credits

Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text: Tanna Nankivell, Christian Krug
Research: Tanna Nankivell

Quellen
  1. 01FOTOS: GETTY IMAGEShttps://www.gettyiamges.de
  2. 02Grafik Fracking: Schwochow Visual Storieshttps://www.schwochow.de
  3. 03eia.govhttps://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=52659
  4. 04energy.ec.europa.euhttps://energy.ec.europa.eu/system/files/2022-02/EU-US_LNG_2022_2.pdf
  5. 05infolupki.pgi.gov.plhttps://infolupki.pgi.gov.pl/en/gas/international-news/shale-gas-resources-europe
  6. 06entsog.euhttps://www.entsog.eu
  7. 07.acer.europa.euhttps://www.acer.europa.eu/gas-factsheet#:~:text=The%20EU%20gas%20network%20is,compressor%20and%20pressure%20reduction%20stations/
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