Bei den Midterms werden nicht nur Abgeordnete gewählt – der Ausgang entscheidet auch über die Zukunft des Präsidenten Joe Biden, und die von Donald Trump. Wir stellen einige seiner Kandidat:innen vor.
Joe Biden steckt in einer Krise.
Der 79-Jährige muss das Land als Präsident durch schwierige Zeiten führen. Nun muss seine Demokratische Partei ihre Mehrheit im Kongress verteidigen, damit Biden als Präsident handlungsfähig bleibt. Und das, obwohl sein Name nicht auf dem Wahlzettel steht.
Nur 43 Prozent der Bevölkerung sind aktuell mit seiner Arbeit zufrieden. Die Republikaner nennen ihn hämisch „Sleepy Joe“. Laut Umfragen drohen die Demokraten die Wahl zu verlieren.
Der Widerspenstige
Auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft ist Donald Trump nicht aus der Politik verschwunden. Dank Skandalen und Gerichtsverfahren ist sein Name fast täglich in den Nachrichten zu hören. Wenn die Midterms für die Republikanische Partei gut laufen, wird auch ein Comeback von Trump wahrscheinlicher.
Trump unterstützt im Wahlkampf 239 republikanische Kandidat:innen. Als Gegenleistung verbreiten seine Günstlinge den Mythos, dass Trump die Präsidentschaftswahl 2020 nicht verloren hat.
Schauen wir uns fünf prominente und kontroverse Kandidaten an.
Der Skandalöse
Trump unterstützt den Republikaner Herschel Walker, der für den Bundestaat Georgia Senator werden möchte. Im Wahlkampf ist der ehemalige Football-Star durch Skandale aufgefallen: Er hat sich gegen Abtreibungen ausgesprochen. Zuletzt deckte ein Online-Portal aber auf: Walker drängte seine Exfreundin 2011 zu einer Abtreibung.
Sein Sohn wirft ihm zudem häusliche Gewalt vor:
»Du bist kein Familienmensch, du hast uns verlassen, um andere Frauen zu vögeln, hast uns gedroht, uns umzubringen, und wir mussten innerhalb von sechs Monaten sechs Mal umziehen, um deiner Gewalt zu entkommen.«
Der Wendehals
Der Autor JD Vance wurde berühmt, weil er einst die Wählerschaft von Trump erklärte. In seinem Buch »Hillbilly Elegie« ging es um die weiße Bevölkerung von Ohio, gepeinigt von Armut und der Opioid-Krise. Trump kritisiert er darin als falschen Heilsbringer. Nun tritt Vance als Senats-Kandidat für Ohio an – mit Trumps Unterstützung.
»Wie viele Leute habe ich Trump 2016 kritisiert, und ich bitte die Leute, mich nicht danach zu beurteilen, was ich 2016 gesagt habe, denn ich habe sehr offen gesagt, dass ich diese kritischen Dinge gesagt habe, und ich bedauere sie, und ich bedauere, dass ich mich in diesem Mann getäuscht habe.«
(aus einem CNN-Interview)
Der Extremist
Viele der von Trump unterstützten Kandidat:innen verbreiten Verschwörungstheorien. So auch Blake Masters, der für den Senatsposten für Arizona kandidiert. Er ist überzeugt, dass Biden Migrant:innen ins Land lässt, um die weiße Bevölkerung zu ersetzen, eine Verschwörungstheorie, die »The Great Replacement« genannt wird.
»Biden plant nun, den 'Millionen' illegaler Einwanderer, die er kürzlich ins Land gelassen hat, eine Arbeitserlaubnis zu erteilen.«
Der Schadenfreudige
Mehmet Oz hat in Harvard Medizin studiert und moderierte eine Fernsehshow, in der er Gesundheitstipps gab und für Medikamente warb. Nun kandidiert er als Senator für Pennsylvania. Als ehemaliger Arzt kommt es ihm gelegen, dass sein demokratischer Gegner John Fettermann gerade einen Schlaganfall hatte. Oz versucht ihn als zu krank für das Senatoren-Amt darzustellen.
»Wir sind 22 Tage vor dem Wahltag, und John Fetterman weigert sich immer noch, seine Krankenakte zu veröffentlichen. […] Was versteckt er?«
Die Aufstrebende
Sie könnte der neue Star von Trumps MAGA-Bewegung werden (Make America Great Again): Die Republikanerin Kari Lake möchte Gouverneurin von Arizona werden. Mit ihrer aggressiven Rhetorik hat sie viel Aufmerksamkeit erzeugt, sie gilt als potentielle Vize-Präsidentin, sollte Trump 2024 bei der Präsidentschaftswahl antreten.
Auch in ihrem Verständnis von Demokratie eifert sie Trump nach. In Interviews lässt sie offen, ob sie eine Niederlage bei der Wahl akzeptieren würde.
»Ich werde die Wahl gewinnen, und das werde ich akzeptieren«, sagte sie stattdessen.
Wie funktionieren
die Midterms?
Bei den Midterms werden die Abgeordneten des Repräsentantenhauses und die Mitglieder des Senats, der zweiten Parlamentskammer, gewählt. Dazu entscheiden einige Bundesstaaten über ihren Governor, er oder sie leitet die Landesregierung.
Die Midterms heißen so, weil sie in der Mitte des terms, der Amtszeit des Präsidenten stattfinden.
In den Senat entsendet jeder Bundesstaat zwei Senator:innen. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Alle zwei Jahre wird ein Drittel von ihnen neu gewählt.
Das Repräsentantenhaus besteht aus 435 Abgeordneten. Hier zählt die Bevölkerungsgröße des Bundesstaates: Kalifornien entsendet 53, das kaum bevölkerte Alaska nur eine Abgeordnete. Die Legislaturperiode dauert zwei Jahre, dann wird neu gewählt.
Im Vergleich zu den Präsidentschaftswahlen gehen bei den Midterms deutlich weniger Menschen wählen. Die Wahlbeteiligung lag 2018 bei nur etwa 53,4 Prozent. Dabei entscheidet ihr Ausgang über den politischen Erfolg des Präsidenten.
Wie gefährlich sind die Midterms für den Präsidenten?
Die Bilanz früherer Midterms zeigt: Die Partei des Präsidenten leidet bei den Wahlen häufig am »Midterm curse«. Wähler:innen sind unzufrieden mit der Politik des Präsidenten und strafen seine Partei ab. So war es bis auf wenige Ausnahmen fast immer. Barack Obama verlor 2010 bei den Midterms 63 Sitze im Repräsentantenhaus, Negativrekord seit dem Zweiten Weltkrieg.
Falls die Demokraten verlieren…
Eine republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus oder Senat würde Biden in seiner Agenda behindern. Für Gesetzesvorhaben bräuchte er dann Hilfe von republikanischen Abgeordneten.
Bei den vielen aktuellen Problemen in den USA und der Welt hätte Biden weniger Spielraum.
Eine schwere Niederlage könnte dazu führen, dass er 2024 nicht zur Wiederwahl antritt. Sicher ist das aber nicht, vor allem, wenn Donald Trump und seine MAGA-Kandidat:innen nach der Wahl erneut die amerikanische Politik dominieren.
Grafik und Animation:
Jan Schwochow
Text:
Tanna Nankivell, Nele Justus, Frederik Seeler
Research:
Tanna Nankivell