Am 10. Dezember wird der Mediziner und Biologe Svante Pääbo für seine Forschung ausgezeichnet. Aber was hat der eigentlich Spannendes entdeckt? Und was sollten wir über ihn wissen? und Biologe Svante Pääbo für seine Forschung ausgezeichnet. Aber was hat der eigentlich Spannendes entdeckt? Und was sollten wir über ihn wissen?
Wer ist der Mann?
Svante Pääbo, 1955 in Stockholm geboren, hat Ägyptologie und Medizin in Uppsala studiert und ist seit 25 Jahren Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
Er gilt als der Begründer der Paläogenetik.
Ihm gelang es, das Erbgut ausgestorbener Menschenarten zu entschlüsseln – etwas, das lange als unmöglich galt.
Knochen sind nämlich nach Jahrtausenden so stark von Bakterien und Pilzen besiedelt, dass bis zu 99,9 % der DNA darin von Mikroben stammt.
Es begann mit Mumien
1984 isolierte Pääbo in Uppsala Erbmaterial aus einer 2400 Jahre alten Mumie, die aus dem Pergamonmuseum in Ost-Berlin stammte. In der Wissenschaftsszene wurde er dadurch zum Star.
Neandertaler keine direkten Vorfahren
Mitte der 1990er-Jahre konnten Pääbo und sein Team einen Bestandteil der Mitochondrien-DNA eines Neandertalers entschlüsseln. Mitochondrien sind Kraftwerke in den Zellen, die Energie produzieren.
Das Resultat: Die DNA unterschied sich deutlich von der heutiger Menschen. Damit war klar, dass Neandertaler nicht unsere direkten Vorfahren sind.
Moderne Menschen und Neandertaler schliefen miteinander
2010 gelang es Pääbo dann, eine erste Version des Neandertaler-Genoms aus zehntausende Jahre alten Knochen zu rekonstruieren.
Dabei fand er heraus, dass Europäer:innen und Asiat:innen auch heute noch etwa zwei Prozent Neandertaler-DNA in sich tragen.
Homo sapiens und Neandertaler müssen also damals gemeinsamen Nachwuchs gezeugt haben.
Ein kleiner Knochen eines Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit
2012 hatten Pääbo und sein Team einen weiteren sensationellen Durchbruch: Sie entschlüsselten das Erbgut aus einem winzigen Knochen, der in der Denisova-Höhle im westsibirischen Altai-Gebirge gefunden worden war.
Sie fanden so einen bis dahin unbekannten Ur-Menschen, der entfernt mit dem Neandertaler verwandt war: Sie nannten ihn den Denisova-Menschen.
Was zeigt uns seine Forschung?
Svante Pääbo hat nachgewiesen, dass die Evolution von Kreuzungen und Seitenästen geprägt ist – und dass Spuren einiger Verwandter bis heute in uns stecken. Er verfeinerte seine Methoden übrigens immer weiter und entschlüsselte 2014 schließlich das Neandertaler-Genom fast komplett.
Was man außerdem über den Nobelpreisträger wissen sollte?
Sein leiblicher Vater, Sune Bergström, war auch ein berühmter Wissenschaftler: Der Biochemiker erhielt 1982 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.
Pääbo war allerdings Bergströms "geheimer" Sohn und sah seinen Vater nur manchmal samstags, wenn er seine Zweitfamilie besuchte. Er wurde also vor allem von seiner Mutter erzogen, der estnischen Chemikerin Karin Pääbo.
Holzschuhe und Kletterwände
Pääbo ist ein bodenständiger Typ, der seinen schwedischen Wurzeln auch nach einem Vierteljahrhundert in Deutschland treu bleibt.
Er liebt es, Clogs zu tragen, und hat auf dem Dach seines Instituts eine Sauna bauen lassen.
Und er will weiterhin hoch hinaus: In der Eingangshalle gibt es deswegen auf seinen Wunsch eine Kletterwand.
Creative Direction:
Jan Schwochow
Grafik, Illustration & Animation:
Ronny Träger
Text & Research
Tina Epking