WM 2022: Was man über Katar wissen sollte

Reichtum, kaum Regen und ein autoritärer Herrscher – die Fußball-WM findet in einem Land der Extreme statt.

Das Emirat Katar liegt im Osten der Ara­bischen Halb­insel.

Katar gehört zu den sogenannten Golf­staaten, den Anrainern des Persischen Golfs.

Der benachbarte Inselstaat Bahrain liegt nur 30 Kilo­meter von der Küste Katars ent­fernt. Die ein­zige Land­grenze ver­läuft im Süden zu Saudi-Arabien – mitten durch die Wüste.

Mit 11.586 km² ist die Fläche Katars etwas kleiner als die Schles­wig-Hol­steins (15.800 km²).

Das Emirat gehört zu den wenigen absoluten Monar­chien weltweit. Der Emir Tanim bin Hamad Al Than herrscht seit 2013, vor ihm saß sein Vater auf dem Thron. Emir Tanim hat fast unein­ge­schränk­te Macht, Parteien oder ein richtiges Parla­ment gibt es nicht.

1950 lebten nur 50.000 Menschen in Katar. Mit dem Wirtschafts­boom durch Öl und Gas stieg ab den 70er Jahren nicht nur das BIP, sondern auch die Zahl der Ein­wohn­er:innen. Das lag nicht nur an einer hohen Geburten­rate, sondern an den vielen Ar­beits­kräften, die ins Land zogen. Mitt­ler­weile leben etwa drei Millionen Men­schen in Katar. Der Groß­teil in der Hauptstadt Doha oder der Nach­bar­stadt ar-Rayyan.

Die Amts­sprache in Katar ist Arabisch, Englisch gilt als zweite Sprache.
Etwa 90 Prozent der Ein­wohn­er:innen Katars sind im Ausland geboren. Die meisten von ihnen kommen aus Bangla­desch, Indien, Nepal und den Philippinen aber auch aus Ostafrika oder Europa. Die Gast­ar­bei­ter:innen schuften auf Bau­stellen, in Archi­tek­tur­büros, Res­tau­rants, Hotels oder betreuen als Nanny Kinder reicher katarischer Fa­milien.

Das erklärt auch, warum Katars Be­völkerung so jung und zu etwa 75 Prozent männ­lich ist. Die meisten Gast­ar­beiter auf den Bau­stellen sind zwischen 20 und 39 Jahre alt. Die körperliche Arbeit in der Hitze er­fordert eine hohe Be­last­ungs­fähig­keit. Der Alters­durch­schnitt in ganz Katar liegt bei etwa 33,7 Jahren, deutlich unter dem Niveau der EU (44 Jahre). Aber auch Katars Führung ist jung: Emir Tamim ist mit 42 Jahren der jüngste Mo­narch weltweit.

Zwei Drittel der Bevölkerung sind muslimisch. Wie auch in Saudi-Arabien dominiert in Katar die sun­ni­tisch-wah­ha­bi­tische Aus­legung des Islam, das Land gilt als deutlich kon­serva­tiver als andere Golf­staaten.

Seit den 1970er Jahren fördert Katar große Mengen Öl und Erdgas im Per­sischen Golf. Die Rohstoffe haben das Land reich gemacht, das Brutto­inlands­produkt pro Kopf liegt bei etwa 93.500 US-Dollar. Fast doppelt so hoch wie in der EU.

Öl und Gas könnten noch lange den Reich­tum erhalten. Katar verfügt über 13 Prozent der welt­weiten Gas­reserven. Die Erdöl­reserven werden auf 25 Milliarden Barrel geschätzt. Katar könnte so auf aktuellem Niveau noch 56 Jahre weiter Öl fördern, bevor die Quellen versiegen.

Katar versucht sich aber unabhängiger von den Rohstoff-Ein­nahmen zu machen. Dafür beteiligt sich der katarische Staats­fond an inter­natio­nalen Unter­neh­men, in Deutsch­land etwa bei der Deutschen Bank und Volkswagen. Zudem hat Katar den Fußball­ver­ein Paris Saint-Ger­main und das Londoner Kauf­haus Harrods gekauft. Mit den Invest­ments will Katar auch seinen poli­tischen Einfluss im Aus­land ver­größern.

Der Wüstenstaat zählt zu den trocken­sten Län­dern der Welt, nur an etwa 20 Tagen im Jahr regnet es. Im Sommer werden Temperaturen von 50 Grad Celsius erreicht. Wer kann, flüchtet dann in Häuser, Autos oder klimatisierte Shopping­malls. Im Winter sind die Tempe­raturen etwas milder, zwischen 20 und 25 Grad im Durch­schnitt – der Grund dafür, dass die WM dieses Jahr im No­vember statt­findet.

Die WM-Stadien liegen fast alle im Um­kreis der Haupt­stadt Doha:

1. al-Janoub-Stadion (40.000 Zuschauer)
2. al-Thumama-Stadion (40.000)
3. Stadium 974 (40.000)
4. Khalifa International Stadium (40.000)
5. Education City Stadium (40.000)
6. Ahmed bin Ali Stadium (40.740)
7. al-Bayt-Stadion (60.000)

Erreichen tut man sie am schnellsten durch Dohas kostengünstige Metro. Das Bahnnetz des weltweit modernsten Nahverkehrssystems ist seit 2019 in Betrieb. Es verfügt über drei Linien (blaue Linien), die den Hamad International Airport (HIA) mit fünf der acht Stadien verbindet.

Auch die meisten National­teams haben sich Hotels in Doha gesucht, das sorgt für kurze Fahrt­zeiten.

Mit einigen Ausnahmen…

Das deutsche Team lebt isoliert. Die Unterkunft am Nord­zipfel Katars liegt 110 Kilo­meter von Doha entfernt.

Die Spieler sollen »abseits des Trubels« von den Spielen abschalten können, so Team­manager Oliver Bierhoff.

Das deutsche Team bezieht dafür einen abgetrennten Bereich des Zulal Well­ness Resorts direkt am Per­sischen Golf. Gegen die katarische Immobilien­firma »Msheireb Properties«, die das Luxus-Ressort gebaut hat, gibt es Vorwürfe der Ausbeutung: Arbeits­kräfte mussten ohne Pause arbeiten, schliefen nachts auf engstem Raum, oft mit defekter Klimaanlage.

Das DFB-Team wird es wohl deutlich angenehmer haben. Das Resort verfügt über zwei Pools, ein großes Well­ness­center und Meer­blick aus fast jedem Zimmer.

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Veröffentlicht am 03.11.2022
Credits

Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text: Frederik Seeler, Elisabeth Borchardt
Research: Elisabeth Borchardt

Quellen
  1. 01FOTOS: GETTY IMAGEShttps://www.gettyiamges.de
  2. 02The World Factbookhttps://www.cia.gov/the-world-factbook/countries/qatar/
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  4. 04populationpyramid.nethttps://www.populationpyramid.net/fr/qatar/2020/
  5. 05data.worldbank.orghttps://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.PCAP.PP.CD?locations=QA-DE-1W
  6. 06naturalearthdata.comhttps://www.naturalearthdata.com
  7. 07klimatabelle.infohttps://www.klimatabelle.info/asien/katar
  8. 08GEO CUBEhttps://edx.netl.doe.gov/geocube/
  9. 09GOOGLE EARTH IMAGEShttps://earth.google.com/web/
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