Reichtum, kaum Regen und ein autoritärer Herrscher – die Fußball-WM findet in einem Land der Extreme statt.
Das Emirat Katar liegt im Osten der Arabischen Halbinsel.
Katar gehört zu den sogenannten Golfstaaten, den Anrainern des Persischen Golfs.
Der benachbarte Inselstaat Bahrain liegt nur 30 Kilometer von der Küste Katars entfernt. Die einzige Landgrenze verläuft im Süden zu Saudi-Arabien – mitten durch die Wüste.
Mit 11.586 km² ist die Fläche Katars etwas kleiner als die Schleswig-Holsteins (15.800 km²).
Das Emirat gehört zu den wenigen absoluten Monarchien weltweit. Der Emir Tanim bin Hamad Al Than herrscht seit 2013, vor ihm saß sein Vater auf dem Thron. Emir Tanim hat fast uneingeschränkte Macht, Parteien oder ein richtiges Parlament gibt es nicht.
1950 lebten nur 50.000 Menschen in Katar. Mit dem Wirtschaftsboom durch Öl und Gas stieg ab den 70er Jahren nicht nur das BIP, sondern auch die Zahl der Einwohner:innen. Das lag nicht nur an einer hohen Geburtenrate, sondern an den vielen Arbeitskräften, die ins Land zogen. Mittlerweile leben etwa drei Millionen Menschen in Katar. Der Großteil in der Hauptstadt Doha oder der Nachbarstadt ar-Rayyan.
Die Amtssprache in Katar ist Arabisch, Englisch gilt als zweite Sprache.
Etwa 90 Prozent der Einwohner:innen Katars sind im Ausland geboren. Die meisten von ihnen kommen aus Bangladesch, Indien, Nepal und den Philippinen aber auch aus Ostafrika oder Europa. Die Gastarbeiter:innen schuften auf Baustellen, in Architekturbüros, Restaurants, Hotels oder betreuen als Nanny Kinder reicher katarischer Familien.
Das erklärt auch, warum Katars Bevölkerung so jung und zu etwa 75 Prozent männlich ist. Die meisten Gastarbeiter auf den Baustellen sind zwischen 20 und 39 Jahre alt. Die körperliche Arbeit in der Hitze erfordert eine hohe Belastungsfähigkeit. Der Altersdurchschnitt in ganz Katar liegt bei etwa 33,7 Jahren, deutlich unter dem Niveau der EU (44 Jahre). Aber auch Katars Führung ist jung: Emir Tamim ist mit 42 Jahren der jüngste Monarch weltweit.
Zwei Drittel der Bevölkerung sind muslimisch. Wie auch in Saudi-Arabien dominiert in Katar die sunnitisch-wahhabitische Auslegung des Islam, das Land gilt als deutlich konservativer als andere Golfstaaten.
Seit den 1970er Jahren fördert Katar große Mengen Öl und Erdgas im Persischen Golf. Die Rohstoffe haben das Land reich gemacht, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt bei etwa 93.500 US-Dollar. Fast doppelt so hoch wie in der EU.
Öl und Gas könnten noch lange den Reichtum erhalten. Katar verfügt über 13 Prozent der weltweiten Gasreserven. Die Erdölreserven werden auf 25 Milliarden Barrel geschätzt. Katar könnte so auf aktuellem Niveau noch 56 Jahre weiter Öl fördern, bevor die Quellen versiegen.
Katar versucht sich aber unabhängiger von den Rohstoff-Einnahmen zu machen. Dafür beteiligt sich der katarische Staatsfond an internationalen Unternehmen, in Deutschland etwa bei der Deutschen Bank und Volkswagen. Zudem hat Katar den Fußballverein Paris Saint-Germain und das Londoner Kaufhaus Harrods gekauft. Mit den Investments will Katar auch seinen politischen Einfluss im Ausland vergrößern.
Der Wüstenstaat zählt zu den trockensten Ländern der Welt, nur an etwa 20 Tagen im Jahr regnet es. Im Sommer werden Temperaturen von 50 Grad Celsius erreicht. Wer kann, flüchtet dann in Häuser, Autos oder klimatisierte Shoppingmalls. Im Winter sind die Temperaturen etwas milder, zwischen 20 und 25 Grad im Durchschnitt – der Grund dafür, dass die WM dieses Jahr im November stattfindet.
Die WM-Stadien liegen fast alle im Umkreis der Hauptstadt Doha:
1. al-Janoub-Stadion (40.000 Zuschauer)
2. al-Thumama-Stadion (40.000)
3. Stadium 974 (40.000)
4. Khalifa International Stadium (40.000)
5. Education City Stadium (40.000)
6. Ahmed bin Ali Stadium (40.740)
7. al-Bayt-Stadion (60.000)
Erreichen tut man sie am schnellsten durch Dohas kostengünstige Metro. Das Bahnnetz des weltweit modernsten Nahverkehrssystems ist seit 2019 in Betrieb. Es verfügt über drei Linien (blaue Linien), die den Hamad International Airport (HIA) mit fünf der acht Stadien verbindet.
Auch die meisten Nationalteams haben sich Hotels in Doha gesucht, das sorgt für kurze Fahrtzeiten.
Mit einigen Ausnahmen…
Das deutsche Team lebt isoliert. Die Unterkunft am Nordzipfel Katars liegt 110 Kilometer von Doha entfernt.
Die Spieler sollen »abseits des Trubels« von den Spielen abschalten können, so Teammanager Oliver Bierhoff.
Das deutsche Team bezieht dafür einen abgetrennten Bereich des Zulal Wellness Resorts direkt am Persischen Golf. Gegen die katarische Immobilienfirma »Msheireb Properties«, die das Luxus-Ressort gebaut hat, gibt es Vorwürfe der Ausbeutung: Arbeitskräfte mussten ohne Pause arbeiten, schliefen nachts auf engstem Raum, oft mit defekter Klimaanlage.
Das DFB-Team wird es wohl deutlich angenehmer haben. Das Resort verfügt über zwei Pools, ein großes Wellnesscenter und Meerblick aus fast jedem Zimmer.
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Text: Frederik Seeler, Elisabeth Borchardt
Research: Elisabeth Borchardt