Die teuerste WM aller Zeiten

Bis zu 220 Milliarden Dollar soll die WM in Katar kosten. Ein einziges Spiel wäre damit teurer als die gesamte WM in Südafrika 2010. Warum ist das Turnier so teuer und was verspricht sich das Emirat von dem Investment?

Die Fußball-Welt­meister­schaft in Katar ist wohl so umstritten wie kaum ein Sport­event zuvor. Nicht nur der Umgang mit Ar­beits­kräften sorgt für Kritik, sondern auch die enormen Summen, die Katar für die WM aus­gibt.

Auf 150 bis 220 Milliarden US-Dollar sollen sich die Kosten belaufen. Wie hoch genau der Betrag ist, lässt sich nur schwer beziffern. Katar hat bisher keine genauen Zahlen veröffentlicht.

Fest steht, dass die WM in Katar die teuerste aller Zeiten sein wird.

Im Vergleich: Die WM in Deutschland 2006 hat nur etwa 4,3 Milliarden Dollar gekostet.

Warum ist die WM in Katar so teuer?

Bevor das Land den Zu­schlag für die WM be­kam, verfügte Katar nur über zwei größere Sta­dien. Sechs weitere musste man für die WM komplett neu errichten. Ursprünglich waren so­gar zehn neue Stadien geplant.

Um die Stadien zu bauen, hat Katar aber maximal zehn Milliar­den ausgegeben, schät­zen Expert:innen. Deut­lich mehr kostet die Infra­struktur, die für das Turnier benötigt wird.

Um mit den etwa 1,5 Millionen Be­such­er:innen der WM klarzukommen, hat das Emirat seinen Flug­hafen ausgebaut, neue Highways errichtet und in der Hauptstadt Doha drei Metro-Linien gebaut. Beteiligt sind auch deutsche Firmen aus der Bau- und Infra­struktur­branche wie zum Beispiel Siemens, Hochtief, Züblin und die Deutsche Bahn.

Für die Zuschauer:innen hat man zudem Hotels, Schwimmbäder, Ein­kaufs­zentren und Ver­gnügungs­parks gebaut. Die Leute sollen sich auch abseits der Spiele nicht langweilen.

Nördlich von der Hauptstadt Doha ent­steht anlässlich der WM ein ganz neuer Stadtteil: Lusail City, mit einem WM-Stadion, 22 Hotels, zwei Golf­plätzen und einer künst­lich angelegten Lagune. Allein der Bau von Lusail City soll etwa 45 Milliarden US-Dollar gekostet haben.

Die Investments für die WM sind Teil einer langfristigen Strategie. Das Programm »Qatar 2030« soll das Land modernisieren, nach­haltiger und für Tou­ris­mus attraktiver ma­chen. So will sich Katar weniger abhängig von den Einnahmen durch Gas und Erdöl machen.

Die meisten Stadien sollen nach der WM verkleinert werden, einige sollen ganz verschwinden.

Trotzdem sind die Kosten enorm. Das ergibt sich in ein paar Vergleichen: Mal an­ge­nom­men, dass die WM wirklich 220 Milliarden Dollar kostet. Dann ent­spräche das den Staats­aus­gaben ganzer Länder, etwa denen Österreichs (226 Milliarden im Jahr 2021).

Die WM hat 64 Spiele. Pro Spiel ergäben sich also Kosten von etwa 3,5 Milliarden Euro.

Im Vergleich: Das deutsche Um­welt­mi­nis­terium hatte dieses Jahr ein Budget von nur etwa 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung und schützt damit Moore, Wälder, Gewässer und bedrohte Tierarten.

Während der WM finden 64 Spiele statt. Ein Spiel hat regulär 90 Minuten. Runter­ge­rechnet würde allein eine Minute WM 38.000.000 Euro kosten.

Für eine Minute WM hätte man vor ein paar Jahren diese Villa auf Mallorca kaufen können.

Kann uns egal sein, wie viel Geld Katar für seine WM ausgibt?

Theoretisch schon. Doch die WM ist das größte Sportevent der Welt. Der Emir von Katar kann sich durch das Event enorme Auf­merk­sam­keit für seinen autoritären Staat erkaufen.

Auch können die Milliarden-Ausgaben für klimatisierte Sta­dien und Golfplätze unan­gebracht wirken, während andere Teile der Welt die Kosten von Krieg, Klima- und Energie­krise tragen müssen.

Die Bundesregierung fordert in Zukunft strengere Regeln bei der Vergabe von WMs.

FIFA Präsident Gianni Infantino hingegen versprach zuletzt, das Turnier in Katar werde die »beste WM aller Zeiten«.

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Veröffentlicht am 21.11.2022
Credits

Grafik und Animation: Anton Delchmann
Text und Recherche: Frederik Seeler

Quellen
  1. 01forbes.athttps://www.forbes.at/artikel/wm-2022-in-katar-die-teuerste-fu%C3%9Fball-weltmeisterschaft-aller-zeiten.html
  2. 02gco.gov.qahttps://www.gco.gov.qa/en/about-qatar/national-vision2030/
  3. 03statista.comhttps://de.statista.com/statistik/daten/studie/217687/umfrage/staatseinnahmen-und-staatsausgaben-in-oesterreich/
  4. 04mallorcazeitung.eshttps://www.mallorcazeitung.es/boulevard/2014/11/17/maschmeyer-hat-sein-paradies-schloss-54181973.html
  5. 05FOTOS: GETTY IMAGEShttps://www.gettyiamges.de
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