Es ist mehr als nur ein Gefühl: Tatsächlich haben im Moment deutlich mehr Menschen grippale Infekte, Halsschmerzen und Schnupfen als sonst im Herbst. Woran liegt das? Und wie funktioniert unser Immunsystem?
Hände desinfizieren, Maske tragen, Abstand halten: Durch diese Maßnahmen wurde in den vergangenen Jahren …
… nicht nur die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt. Auch alle anderen Infektionen gingen zurück, weil unser Immunsystem gar nicht erst mit den Erregern in Kontakt kam. Das hat sich jetzt geändert.
Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass derzeit 5,6 Millionen Menschen in Deutschland von Atemwegsinfekten betroffen sind. Das ist deutlich mehr als während oder vor der Corona-Pandemie.
Das sieht man auch an den Krankmeldungen, die deutlich über den Vorjahren liegen.
Warum auf einmal alle krank werden?
Normalerweise haben wir ständig Kontakt mit Viren und Bakterien.
Unsere Abwehrmechanismen arbeiten permanent, um uns davor zu schützen.
Viele potenzielle Infektionen bemerken wir nicht einmal, bauen aber trotzdem eine Immunität gegen die Erreger auf.
Nur ist wegen der Kontaktbeschränkungen genau das in den vergangenen Jahren nicht passiert. Deswegen ist unser Immunsystem nicht mehr so trainiert wie früher – und holt die Infekte nun nach. Ein ganz natürlicher Prozess.
Aber wie funktioniert unser Immunsystem eigentlich?
Das Immunsystem besteht aus zwei Teilen: dem angeborenen Immunsystem, das von Geburt an arbeitet; und dem erworbenen Immunsystem, das erst trainiert werden muss. Beide arbeiten eng miteinander zusammen.
Das angeborene Immunsystem
Ein wesentlicher Bestandteil des angeborenen Immunsystems ist unsere Haut. Sie bildet zusammen mit den Schleimhäuten aus Nase, Mund und dem Magen-Darm-Trakt eine wichtige Schutzbarriere.
Dringen trotzdem Erreger in den Körper ein, antwortet das angeborene Immunsystem zuerst. Es sorgt dafür, dass die Erreger gefunden und zerstört werden. Etwa durch…
Fresszellen
Diese großen Abwehrzellen, zum Beispiel sogenannte Makrophagen, erkennen die Eindringlinge an ihrer Oberfläche. Sie umschließen sie und zersetzen sie in ihrem Inneren.
Außerdem schütten sie unzählige Botenstoffe aus.
Die Botenstoffe
Sie rufen weitere Abwehrzellen zur Verstärkung herbei, welche die restlichen Erreger angreifen.
Und was, wenn das angeborene Immunsystem die Erreger nicht erkennt?
Dann legt das erworbene Immunsystem mit der Arbeit los.
Das erworbene Immunsystem
Das braucht zwar etwas länger, um zur Stelle zu sein, kann sich aber gut Erreger merken.
Den Anfang machen die dentrischen Zellen.
Dentrische Zellen
Sie überwachen laufend ihre Umgebung, erkennen Keime, greifen sie an, verschlingen und zerlegen sie.
Dann präsentieren sie Bruchstücke der fremden Moleküle – die Antigene – auf ihrer Oberfläche und alarmieren damit die T-Zellen, auch T-Lymphozyten genannt.
Die T-Zellen
Diese Spezialisten vermehren sich sofort und können Erreger direkt abtöten. Außerdem aktivieren sie die B-Zellen.
B-Zellen
Und die sind wahnsinnig wichtig, weil sie die Antikörper herstellen – Moleküle, die genau zu dem Erreger passen, sich an ihn binden und ihn unschädlich machen. Die Antikörper werden etwa drei Tage nach der ersten Begegnung mit einem neuen Erreger produziert.
Sie zirkulieren aber auch nach der abgelaufenen Infektion weiter im Körper und bilden so ein Abwehr-Gedächtnis. Genau deswegen kann unser Abwehrsystem deutlich schneller reagieren, wenn der bekannte Erreger wieder in den Körper gelangt.
Dadurch verläuft die zweite Infektion dann auch deutlich schwächer – oder bleibt ganz unbemerkt.
Creative Direction: Jan Schwochow
Grafik, Illustration und Animation: Ronny Träger
Text und Research: Nele Justus