Der Kanzler beklagt den „Mehltau“ über Deutschland. Aber gibt es nur Krise und Abstieg? Natürlich nicht. An vielen Orten herrscht trotz allem Aufbruch, weil Menschen und Unternehmen mit neuen Ideen die Zukunft anpacken
Aufbruchatlas
Es gibt sie, die Schauplätze, an denen der Optimismus noch Konjunktur hat.
Identifiziert hat sie das
Meinungsforschungsunternehmen Civey, das exklusiv für die WirtschaftsWoche die wirtschaftliche Stimmung in ganz Deutschland vermessen hat. Herausgekommen ist ein Aufbruchatlas:
ein geografischer Katalog der Chancen.
Wir haben fünf Standorte besucht.
Heilbronn
Hier entsteht der Innovation Park Artificial Intelligence. Er soll ab 2026 Platz für 5000 Menschen bieten, die künstliche Intelligenz (KI) erwecken und justieren. Ein einmaliges Ökosystem in Europa. Was in Heilbronn gerade entstehe, habe die Chance, „international wirklich relevant zu sein“, sagt Moritz Gräter, Chef des KI-Forschungszentrums.
Schönefeld
Seit der Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg hebt die Gemeinde ab. Knapp 4000 vor allem junge Menschen sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren
hierhergezogen. Bürgermeister Christian Hentschel kommt kaum hinterher, neue Kitaplätze und Wohnungen zu schaffen. Sein nächster Wunsch: das Terminal des ehemaligen Schönefelder Flughafens zu kaufen und daraus ein Kongresszentrum zu machen.
Karlsruhe
Die Firma PI aus Karlsruhe ist einer der wachstumsstärksten Mittelständler
Deutschlands. Sie entwickelt und baut technologische Vorrichtungen
zur hochpräzisen Positionierung von
Lasern, Linsen, Spiegeln, auf den Nanometer genau. „90 Prozent
der weltweit führenden technologischen
Innovationstreiber sind unsere Kunden“,
sagt Geschäftsführer Markus Spanner.
Ahrensburg
Die Basler AG ist Weltmarktführer
für Industriekamerakomponenten. Ihre Technologie und Software steckt in Smartphones und Hochleistungs-Mikroskopen oder erfassen beim Augenarzt die Netzhaut. Rund 210 Millionen Euro Umsatz, 900 Mitarbeiter, 90 Prozent Exportanteil. „Unser Geschäftsmodell beruht auf Exzellenz“, sagt Gründer Norbert Basler.
Lausitz
Hier soll in den nächsten Jahren das Deutsche Zentrum für Astrophysik entstehen. Gut eine Milliarde Euro Budget, 1000 Mitarbeiter. Mit einem neuen Teleskop will Günther Hasinger, Ex-Wissenschaftsdirektor der Europäischen
Weltraumorganisation, nach Wellen in der Raumzeit fahnden. „Indem wir in den Weltraum schauen, wollen wir auch die Region verändern.“
Wirtschaftstreiber
„Wer jammert, bleibt stehen“, hat Olaf
Scholz vergangene Woche im WirtschaftsWoche-Interview zu Protokoll gegeben. „Ich will, dass wir vorankommen.“ Nun, Herr Bundeskanzler, wir zeigen in unserer Titelgeschichte, an welchen Orten Sie fündig werden könnten.
Wie die deutschen Bürgerinnen und Bürger die wirtschaftliche Entwicklung in ihrer Region einschätzen und wo die Flecken der Hoffnung sind, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der WirtschaftsWoche.
Text: Henrike Adamsen, Max Haerder, Stephan Knieps, Andreas Menn, Hendrik Varnholt
Fotos: Stephan Floss, Jonas Holthaus, Nico Kurth, Jewgeni Roppel
Grafik und Animation: Jan Schwochow (Scrollytelling GmbH)
Produktion: Nele Justus, Christian Krug (Scrollytelling GmbH)