Wer hat nicht schon darüber nachgedacht: Soll ich im Job noch einmal etwas Neues wagen? Zu oft bleibt der Wunsch nach Veränderung nur ein flüchtiger Gedanke. Warum eigentlich?
Karin Haslböck scheut eigentlich das Risiko. Fünf Jahre lang leitete sie ein Labor, das die Qualität von Silikonen kontrolliert. Ein sicherer Job, gute Bezahlung, ein Arbeitgeber mit Renommee. Irgendwann jedoch fehlte ihr „die Sinnhaftigkeit, Silikon zu verkaufen“, sagt sie.
Haslböck nahm Urlaub und absolvierte die Ausbildung zur Bergwanderführerin. Dabei fiel ihr auf: Die Gletscher in den Alpen verschwinden. 2021 kündigte Haslböck ihren Job und bot Touren in den Bergen an, um andere Menschen aufzuklären. Sie muss nun mit viel weniger Geld auskommen. Doch ihre neue Aufgabe ist ihr Belohnung genug, sagt sie.
Als die Jobplattform Stepstone kürzlich 10.000 Arbeitnehmer befragte, gaben fast zwei Drittel an, mindestens einmal im Monat über eine berufliche Veränderung nachzudenken. Oft aber bleibt der Wunsch nur eine Fiktion. Der Schritt ins Ungewisse scheint zu riskant.
Doch ein neuer Job weitet Perspektiven, man lernt, reift, wächst. Und der Wechsel kann auch für die Volkswirtschaft wichtig sein. Die Deutschen könnten so wieder mehr „Bock auf Arbeit“ haben, wie es der Chef der Arbeitgeberverbände im Frühjahr forderte.
Bei manchen erfolgt der Neustart aus der Not. Mohamad Alhamod kam 2015 als Flüchtling von Damaskus in ein Dorf bei Augsburg. Er heuerte in einer Schneiderei an. Seine Ausbildung wurde nicht anerkannt. Die Gesellenprüfung musste er neu ablegen, für Theorie und Sprachtest büffelte er neun Stunden am Tag.
Doch Alhamoud strebte nach etwas Eigenem: In Syrien war er selbstständig. „Ich liebe es, Unternehmer zu sein“, sagt er. Heute betreibt er in München das Modeatelier Eliev, dazu hat er 2022 Change Into gestartet, eine Online-Änderungsschneiderei, bei der Kunden Blusen, Sakkos und Hosen per Paket einschicken. Alhamoud hat seinen Neustart durchgezogen.
Noch einmal „Honeymoon“, so nennen Arbeitspsychologen die Freude im neuen Job. Doch auch dort kommt irgendwann der Alltag, der Ärger, die Mühen der Ebene. Aber in vielen Fällen lohnt der Neuanfang.
Die WirtschaftsWoche hat für diese Recherche ganz unterschiedliche Menschen getroffen. Ein halbes Dutzend Geschichten von Neustarts – aus eigenem Antrieb oder notgedrungen.
Wie bereite ich so einen Neuanfang vor? Und was lässt sich von denen lernen, die ihn schon hinter sich haben?
Das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der WirtschaftsWoche.
Text: Dominik Reintjes, Angela Maier, Cordula Tutt, Horst von Buttlar
Fotos: Fotoredaktion WiWo
Grafik und Animation: Jan Schwochow (Scrollytelling GmbH)
Produktion: Frederik Seeler, Christian Krug (Scrollytelling GmbH)