Es hat viele Versuche gegeben, das Phänomen der Weltmarktführer zu durchdringen. Die WiWo hat die deutschen Champions gefunden – und erzählt die Geschichten ihrer Eroberungen
Gut 450 deutsche Unternehmen sind in ihren Branchen Weltmarktführer. Sie sind aber auch regionale Ökosysteme, verwoben mit ihrer Heimat. So funktioniert Deutschland. Aber tut es das immer noch?
Das ist die Frage, die alle bewegt. Nahezu jedes Unternehmen musste Lieferketten neu sortieren, Preisschocks abfedern, um die Energieversorgung kämpfen. Für viele ist der Ausnahmezustand zum Dauerzustand geworden. Und ihre Ungeduld wächst.
Beispiel Aurubis, Kupferverarbeiter aus Hamburg. Der Vorstandsvorsitzende Roland Harings sagt, der Standort Deutschland stehe vor großen Problemen, „die allermeisten sind hausgemacht. Nahezu täglich fallen politische Entscheidungen, die aus wirtschaftlicher Sicht eine Investition vor Ort erschweren.“
Für Ostweltmarktführer wie den Maschinenbauer Borsig aus Berlin könnte die AfD zum Standortrisiko werden. Nur die AfD?
Borsig-Geschäftsführer Jürgen Stegger macht etwas anderes Sorgen: Der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeitmodellen, andere Prioritäten, teils eine eher geringe Motivation - und die Signale von der Politik, dass dieses Mindset in Ordnung sei. Das merke er beim Recruiting.
HanseYachts aus Greifswald hat gezeigt, was es braucht, um Weltmarktführer zu werden – und zu bleiben. Die Finanzkrise hätte das Unternehmen einst fast versenkt. Später kollabierten die Lieferketten wegen Corona.
Der neue Chef Hanjo Runde hat HanseYachts wieder auf Kurs gebracht und mit eingen Maßnahmen zum zweitgrößten Segelbootbauer der Welt gemacht - obwohl er selbst zuletzt noch Küchen verkaufte.
Das Unternehmen Karl Storz ist einer von 350 Medizintechnik- herstellern aus Tuttlingen. Die Kleinstadt zwischen Stuttgart und Zürich ist die Welthauptstadt der Medizintechnik.
Derzeit ist die Stimmung allerdings getrübt. Die Unternehmen der Region klagen über hohe Kosten und Regulierungswahn. Der Gegenwind aber lässt sie zusammenrücken. Und führt zu Kooperation und gemeinsamen Initiativen.
Beim Bau von Airbus-Flugzeugen geht ohne deutsche Mittelständler wie Otto Fuchs aus dem Sauerland nichts. Der stellt Schmiedeteile aus Metall her: zweieinhalb Meter groß, eine halbe Tonne schwer – präzise gefertigt bis auf den Bruchteil eines Millimeters.
Otto Fuchs ist einer von rund 200 deutschen Flugzeugteilproduzenten. Der Einfallsreichtum dieser Unternehmen trägt dazu bei, dass der Flugzeugbau zu den wenigen Industriezweigen in Europa gehört, die wachsen.
Viele Weltmarktführer sind Familienbetriebe, etwa das Hightech-Unternehmen Trumpf aus dem schwäbischen Ditzingen. Den Übergang auf die nächste Generation zu bewältigen, kann für diese Unternehmen zur existenziellen Bedrohung werden.
Wie kann der Generationswechsel gelingen? Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller plant mit einem Nachfolger, der nicht aus der Familie kommt – zum ersten Mal in der 100-jährigen Firmengeschichte. Denn die nächste Generation hat immer öfter andere Pläne.
Wie sich die Weltmarktführer in der ersten deutschen Börsenliga schlagen, kann man am besten so beschreiben: Zwischen Angst und Aufbruch. Es gibt starke Unternehmen, aber einige sind angezählt.
Wie die heimlichen Weltmarktführer aus Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen, steht in diesem → WiWo-Sonderheft.
Sie möchten von den Weltmarktführern lernen? Dann melden Sie sich → jetzt zum WiWo-Gipfeltreffen am 31. Januar und 1. Februar 2024 in Schwäbisch-Hall an.
Text: WiWo-Redaktion
Fotos: Fotoredaktion WiWo
Grafik und Animation: Jan Schwochow (Scrollytelling GmbH)
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug (Scrollytelling GmbH)