Alle träumen von ewiger Jugend, weshalb es für Frauen nur wenige Vorbilder für ein Altern in Würde gibt. Aber suchen wir doch einfach weiter
Mit dem Alter geht es einem sehr lange so, wie es einem mit dem Thema Tod geht: Man ist sich seltsamerweise total sicher, dass es einen auf keinen Fall selber trifft.
Nach dem umfassenden Verjüngungswunder der letzten Jahrzehnte gibt es kein überzeugendes Vorbild und keine gute Erzählung mehr für das echte, das unleugbare Alter, das die Menschheit wie eine Kinderkrankheit überstanden hat.
Besonders für Frauen ist es kein Spaß, völlig vorbildlos altern zu müssen. Denn egal, wie jung sie sich fühlen – jenseits der Balz - und Brutphase verschwinden sie bekanntermaßen aus den Hauptnachrichten.
Überhaupt, heißt es, gebe es die ältere Frau nur in zwei Varianten: als Ziege oder als Kuh. Diese Erzählungen verhindern, dass die ältere Frau auf dem Schlachtfeld des Kampfes um Anerkennung mithalten kann mit dem Elder Statesman, dessen Weltwissen sehr nachgefragt ist.
Ja, es stimmt, wunderbare Schauspielerinnen spielen gelegentlich souveräne ältere Frauen. Aber sehr viel öfter spielen sie auch das glatte Gegenteil: die zusammenbrechende Alte, die Selbstmörderin, die in Depressionen versinkende gealterte Künstlerin oder die sauertöpfische Kommissarin.
Wo stehen wir also? Ist wirklich alles so schlimm mit dem Altwerden, und ist kein Vorbild in Sicht?
Text: Iris Radisch
Fotos: Abb. (Ausschnitt): Francien Krieg »Seductive Feelings«, 2010
Titelfoto: Franziska Kuttler, Model: Vera Brüggemann (73)
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug