Warum die klassische Familie für viele Menschen kein Modell mehr ist – und was Eltern und Kinder brauchen, wenn sie anders zusammenleben
Über Generationen hieß es: Vater, Mutter, Kinder – das ist eine Familie. Diese Vorstellung gilt vielen Deutschen bis heute als Ideal. Doch der Begriff Familie war noch nie so undefiniert wie in diesem Sommer 2023.
Zunehmend bedeutet Familie nun auch: Co-Parenting. Ein neuer Begriff für Eltern, die ein Kind gemeinsam großziehen, ohne zusammenzuleben und ohne einander zu lieben.
Oder: Solo-Mütter, also Frauen, die bewusst allein für ihr Kind sorgen wollen. In einigen dieser Konstellationen wachsen die Kinder nicht nur bei den genetischen Eltern auf, soziale Elternteile kommen hinzu, die das Kind ebenfalls lieben, als wäre es ihr leibliches.
Sascha Meißner hat so eine neue Familie. Er hat einen Mann und zwei Söhne. Ein Sohn wurde adoptiert. Der andere kam in Hamburg zur Welt und lebt jede zweite Woche bei seinem Vater. Seine Mutter wohnt nur eine halbe Stunde entfernt, sie war nie in Sascha verliebt, wollte aber ein Kind mit ihm.
Henning Scherf wollte mit anderen alt werden und zog in eine WG. Sind auch sie eine Familie? »Man kann das Familie nennen. Entscheidend ist ja nicht, dass man blutsverwandt ist, sondern dass man einander trägt.«
Sicher ist, dass sich die westlichen Gesellschaften stark verändern und ganz neue Lebensformen ausprobieren. Und dass die Regeln und Gesetze mit diesen Veränderungen nicht Schritt halten.
Text: Rudi Novotny, Jeannette Otto
Fotos: Maria Feck für DIE ZEIT; Michael Jungblut/laif (Henning Scherf)
Illustration: Maren Amini für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug