Was hilft wirklich gegen Depressionen?

Um die Krankheit besser behandeln zu können, revolutionieren Ärzte und Forscherinnen die Therapie

Jede vierte Frau und jeder achte Mann leidet zumindest einmal im Leben an einer Depression.

Therapeuten behandeln ihre Patienten prin­zi­piell so, wie sie es für richtig halten. Oft hilft das. Zu oft aber hilft es nicht so gut oder nicht so schnell, wie es möglich wäre.

Im »Psychotherapy Lab« in Greifswald, einem Experimental­labor für die Seelen­heilkunde, arbeiten die Forscher und Forscher­innen deshalb gerade an einer kleinen Sensation: dem »Psycho­therapie-Navi­gator«. Es ist ein Programm, mit dem sie systematisch analy­sieren, wie es Patienten in der Psycho­therapie ergeht.

Es arbeitet nach dem Prinzip der Wetter­vor­her­sage. Die Psychologen in Greifs­wald wollen das innere Wetter ihrer Patienten vorher­sagen, und ver­gleichen dazu ihre Gemütslage mit den Daten von Kranken, die ihnen ähnlich sind.

Wie schnell hellt sich die Stimmung auf, wann kommt frischer Wind in den Alltag? Macht jemand deutlich weniger Fort­schritte als prog­nos­tiziert, müssen die Thera­peutinnen überlegen, woran es liegt und wie sie umsteuern können.

Psychotherapeutinnen und Psychiater tun dabei etwas, das lange Zeit undenkbar schien: Sie ver­binden das Beste aus den etablierten Ver­fahren – aus Tiefen­psycho­logie und Verhaltens­therapie. Das sind genau die beiden klassischen Therapie­schulen, die sich lange feindselig gegen­über­standen.

CBASP heißt die moderne Methode, das steht für cognitive behavioral analysis system of psycho­therapy. Sie ist speziell für Patienten entwickelt worden, die ihre Depression nicht los­werden. Das ist etwa bei einem Drittel der Fall.

Ein weiterer Bestandteil in der Behandlung von Depressionen sind Antidepressiva. Sie erzielen bei einem Viertel der Patienten eine be­trächt­liche Wirkung.

Lange ging man davon aus, dass es Menschen mit Depressionen an Boten­stoffen im Hirn mangele, zum Beispiel an Serotonin. Balanciere man dieses chemische Ungleich­gewicht per Medi­kament aus, verschwinde die Depression. Inzwischen ist klar: Diese Hypothese ist falsch.

Den entscheidenden Hinweis fand man durch ein Narkose­mittel, das auch zur Partydroge avancierte. Ketamin brachte vielen Depressiven, die auf andere Medikamente nicht ansprachen, schnell Erleichterung. Aber wieso?

Der Stoff verbessert offenbar die Übertragung von Informationen zwischen den Hirnzellen, stellten Forscher fest, er lässt sogar neue Verbindungsstellen, Synapsen, sprießen. Herkömmliche Antidepressiva tun das auf Umwegen auch. »Plastizität« nennen Fachleute das Phänomen, es ist entscheidend für das Lernen. Eine neue Hypothese war geboren: Depressionen ent­stünden, wenn die Plastizität sinke. Und schaffe man es, sie wieder zu erhöhen, lasse sich die Krankheit lindern.

Welche Behand­lungen heute am besten wirken und woran man erkennt, ob Kinder und Jugend­liche nur traurig sind oder schon depressiv, erfahren Sie in der neuen Ausgabe der ZEIT.

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Veröffentlicht am 25.09.2026
Credits

Text: Stefanie Kara und Corinna Schöps
Illustration: David Vanadia für DIE ZEIT
Titelbild: Travis K. Schwab »Shelter«, Öl auf Leinwand, 2021
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Nele Justus, Christian Krug, Johannes Mitterer

Quellen
  1. 01FOTOS: GETTY IMAGEShttps://www.gettyiamges.de
  2. 02DIE ZEIThttps://www.zeit.de/2023/06/depressionen-therapie-forschung-eva-lotta-brakemeier?wt_cc3=01w0011k0904inhemanew2301f&utm_medium=email&utm_source=zbrief&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0011k0904inhemanew2301f&wt_zmc=emanew.Int.zabo.zbrief.scrolly_zb_header.x
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