In der AfD gehören radikale Ansichten zum guten Ton, und trotzdem gewinnt sie neue Anhänger. Wie kann das sein?
In aktuellen Umfragen sagen 18 Prozent der Deutschen, sie würden die AfD wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.
Die Partei hat seit ihrer Gründung 2013 schon mehrere Höhenflüge und Abstürze hinter sich.
Im Herbst 2018 stand die Partei erstmals bei 18 Prozent. Damals hatten CDU und CSU die Bundesregierung im sogenannten Asylstreit beinahe an den Rand des Scheiterns getrieben. Die CSU übernahm vor der Landtagswahl in Bayern die Rhetorik der AfD, sprach vom »Asyl-Tourismus« und der »Anti-Abschiebe-Industrie«.
Der Versuch, der AfD die »Themen wegzunehmen«, wie es in der Politik oft heißt, bietet kaum Aussicht auf Erfolg. Der Niedergang der AfD in den Umfragen setzte erst ein, als die Union begann, sich scharf abzugrenzen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte die Partei Anfang 2019 als Prüffall ein.
Wähler von radikal rechten Parteien, das belegen unterschiedliche Studien, sind nicht per se Rassisten. Der jüngste Aufstieg der AfD begann im vergangenen Sommer, als die Inflationsrate in die Höhe schoss und die finanzielle Belastung für viele Menschen immer deutlicher zu spüren war. Langfristig geht es also auch darum, wie die Politik mit Fragen der Gerechtigkeit umgeht.
Noch in diesem Jahr stehen zwei wichtige Landtagswahlen an, beide am 8. Oktober.
Umfragen in Bayern und Hessen sehen die AfD bei bis zu zwölf Prozent. In Brandenburg, Sachsen und Thüringen
hat sie im Herbst 2024 Chancen, stärkste Kraft zu werden.
Eine Normalisierung der AfD hat stattgefunden. Die Partei ist plötzlich für Menschen wählbar, die sich vorher dafür geschämt hätten.
Text: Anna Mayr, Simon Langemann, Robert Pausch
Titelfoto (Ausschnitt): Christian Plambeck/laif (Alice Weidel)
Fotos: Thomas Victor für DIE ZEIT (Werder, Brandenburg); Daniel Delang für DIE ZEIT (München)
Infografik: ZEIT-Grafik
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Frederik Seeler, Nele Justus, Christian Krug