Die Panzerlieferungen an die Ukraine haben Annalena Baerbock und Olaf Scholz entzweit. Sie sprechen kaum noch miteinander. Es stellt sich die Vertrauensfrage
Baerbock und Scholz – zwei Politikertypen, die kaum zusammenpassen.
Zu Baerbocks Verständnis von Politik gehört es, sich berühren zu lassen. Wenn sie in die Ukraine reist, besucht sie die zerstörten Städte. Sie will das Leid sehen, das der Krieg hinterlässt. Oft spricht sie anschließend davon, was so ein Angriff für die Kinder bedeutet, wie sehr ihr »das Herz blutet«. Manchmal ringt sie mit den Tränen.
Zu Olaf Scholz’ Selbstverständnis gehört die äußerliche Unberührtheit. Er ist der Überzeugung, dass es für Entscheidungen eine gewisse Kälte braucht. Dass man sich nicht ergreifen lassen darf und dass man Risiken nur erkennt, wenn man die eigenen Gefühle ausblendet.
Ende Januar verkündet Olaf Scholz, dass Deutschland Panzer an die Ukraine liefern werde. Die Panzerwende ist nach der Zeitenwende, die Scholz vor fast einem Jahr als Reaktion auf den Kriegsbeginn verkündete, seine wahrscheinlich folgenschwerste Entscheidung. Er hat sich dafür viel Zeit genommen.
Seine Außenministerin Annalena Baerbock ist schon seit Monaten der Überzeugung, dass dringend gehandelt werden müsse. Jedes Zögern der Bundesregierung, heißt es im Auswärtigen Amt, koste Menschenleben in der Ukraine.
In seiner Rede vor dem Bundestag sagt Scholz zur Panzerentscheidung: »Es ist richtig, dass wir uns Stück für Stück vorangearbeitet haben. […] Es ist richtig, dass wir uns nicht haben treiben lassen. […] Meine Damen und Herren, das ist das richtige Prinzip.«
Wenn man die Monate bis zur Panzerentscheidung des Bundeskanzlers rekonstruiert, wenn man mit Beteiligten in Berlin und Washington spricht, erfährt man von einem Kanzler, der in einer höchst wichtigen Frage der internationalen Politik kaum mit seiner Außenministerin spricht. Und man erfährt von einer Außenministerin, die sich eigene Wege sucht, um ihre Ziele durchzusetzen, und dabei bis an die Grenze der Loyalität geht.
Text: Robert Pausch und Holger Stark
Titelcomposing: Beate Pietrek für DIE ZEIT (verw. Fotos: Fotofinder; dpa)
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Nele Justus, Christian Krug, Frederik Seeler