Die beste Generation aller Zeiten

Boomer sind das Feindbild der Jugend: Angeblich zu reich, zu wenig Sinn für die Umwelt. Dabei haben sie fast alles geschaffen, was junge Leute heute gut finden. Und wir werden sie noch sehr brauchen. Eine Liebeserklärung

Dass die Boomer – jene Menschen, die zwischen 1946 und 1964 geboren sind –, ein Problem sind, scheint für viele eine ausgemachte Sache zu sein: »Okay, Boomer.«
Mit diesen zwei betont gedehnt unter Augen­verdrehen ausgespuckten Wörtern weist ein jüngerer Mensch die als paternalistisch empfundene Meinung eines Älteren zurück.

Boomer, so der Vorwurf, flögen um die Welt, machten Kreuzfahren und brausten in SUVs durch die Städte. Sie verstopften angeblich alle wichtigen Führungs­positionen, besäßen statt­liche Eigentums­wohnungen und ein Haus in der Toskana, während sich die Jungen heute kaum eine Miet­wohnung leisten könnten. Und dann behaupteten sie auch noch, das alles stehe ihnen zu.

Dabei wurde in ihrer Zeit praktisch alles geschaffen, was unsere hedo­nistische Popkultur heute noch prägt. Die Mitglieder von Queen sind Boomer, Kate Bush ist Boomer. Steven Spielberg ist Boomer. Ohne den Boomer Steve Jobs hätte die junge Generation heute wohl kein iPhone und auch keine digitale Musik.

Sogar die Beats, zu denen man im Berliner Berghain tanzt, gehen auf Boomer zurück. Der 1962 in Detroit geborene Juan Atkins erfand den Techno, und auch deutsche Techno-Pioniere wie Sven Väth sind Vertreter der ver­teufelten Boomer-Generation. Die Boomer könnten die nach­fol­gen­den Generationen guten Ge­wis­sens fragen: Was habt ihr eigentlich erfunden?

Auch viele der Vorurteile sind falsch. Etwa wenn es um das Umwelt­be­wusst­sein geht. Eine Umfrage des Fraun­hofer Instituts ergab, dass Men­schen zwischen 50 und 65 ein Drittel weniger Privat­flüge unter­nehmen als die Gruppe der 16- bis 25-Jährigen.

Dazu hat sich das Land sehr an das Geld der Boomer gewöhnt. Bleibt es aus, wird vieles nicht mehr bezahl­bar sein. Laut dem »CharityScope« der Gesell­schaft für Konsum­forschung (GfK), der die Spenden­bereit­schaft der Deutschen abbildet, sind die Baby­boomer mit fünf Millionen Men­schen die größte Gruppe von regel­mäßigen Spendern.

Warum Deutschland die Boomer also noch braucht, und warum sie trotzdem nur mit wenig Dankbarkeit rechnen können, das steht in der neuen Ausgabe der ZEIT.

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Veröffentlicht am 16.08.2023
Credits

Text: Tillmann Prüfer
Titelfoto: Uwe Schlegelmilch/Interfoto (BRD, 1970)
Fotos: Fotos: Dirk Eisermann/laif; Oscar Poss/akg-images; Günter Zint/bpk; Henning Langenheim/akg-images; ullstein
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannis Mitterer, Christian Krug

Quellen
  1. 01DIE ZEIThttps://www.zeit.de/zeit-magazin/2023/35/boomer-generation-jugend-annette-humpe-gen-z?wt_cc3=01w0011k0904inhemanew2308f%7bmid%7d&utm_medium=email&utm_source=zbrief&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0011k0904inhemanew2308f%7bmid%7d&wt_zmc=emanew.Int.zabo.zbrief.scrolly_zb_header.x
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