Einiger als gedacht

Krisen, Verwerfungen, Konflikte: Deutschland scheint gespalten. Das täuscht, sagen Wissenschaftler, die unsere Gesellschaft gerade neu erforschen. Aber warum kracht es dann ständig?

In Deutschland hat sich eine Erregungswelle aufgetürmt: Silvester­krawalle. Panzer­lieferungen. Gender­sternchen. Öl­heizungen. Klima­kleber. Es hat den Anschein, als radikalisiere sich das Land, als koche es demnächst über.

Verfallen die Deutschen dem Populismus?

Der Berliner Soziologe Steffen Mau, 54, hat die vergangenen zwei Jahre damit verbracht, die Gesell­schaft neu zu vermessen. Er hat Tausenden Per­sonen im Land zahl­lose Fragen gestellt und Klein­gruppen über Wind­räder, Flücht­linge oder die Meinungs­freiheit dis­kutieren lassen.

Das Ergebnis seiner Studie besagt etwas ganz anderes, als derzeit viele glauben, etwas eigentlich Erfreuliches: In keinem nennens­werten Konflikt der Gegen­wart, sagt Mau, gebe es seiner Erkenntnis nach derzeit eine tiefe ge­sell­schaft­lliche Spal­tung. Die Einig­keit ist zum Teil enorm.

79 Prozent der Deutschen halten die Vermögens­ungleichheit für zu groß.

Nur 40 Prozent denken, dass Deutsch­land schon viel für den Klima­schutz getan habe und dass deshalb jetzt erst mal andere Länder an der Reihe wären.

Beim Thema Migration ist die Sache weniger eindeutig, aber doch werten 61 Prozent sie als Bereicherung für das kulturelle Leben.

81 Prozent der Deutschen finden es gut, dass gleich­ge­schlecht­liche Ehen erlaubt sind.

Große Einigkeit herrscht aber noch woanders: im Gefühls­haushalt. Die Deutschen sind wütend. Mehr als jeder Zweite sagt in der Befragung, die politischen Debatten machten ihn wütend. Auch Gut­ver­diener sind wütend. Akademiker­innen sind wütend. SPD-Wähler sind wütend. Besonders wütend sind die Men­schen in Ost­deutschland.

Wo diese Wut herkommt und welchen Warnruf Soziologe Steffen Mau deshalb an die Mitte der Gesellschaft richtet, das steht in der neuen Ausgabe der ZEIT.

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Veröffentlicht am 27.09.2023
Credits

Text: Anant Agarwala, Anna-Lena Scholz
Fotos: action press; Mark Mühlhaus/attenzione/Agentur Focus; Sebastian Wells/Ostkreuz; Thomas Victor/Agentur Focus; Werner Mahler/Ostkreuz; Tim Wegner/laif; Marten Körner/Suhrkamp Verlag
Titelfoto (Ausschnitt): Rafael Heygster und Volker Crone/Agentur Focus
ZEIT-Grafik: Anne Gerdes und Melanie Wolter
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug

Quellen
  1. 01DIE ZEIThttps://www.zeit.de/2023/41/gesellschaft-spaltung-konflikte-studie-steffen-mau?wt_cc3=01w0011k0904inhemanew2309f%7bmid%7d&utm_medium=email&utm_source=zbrief&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0011k0904inhemanew2309f%7bmid%7d&wt_zmc=emanew.Int.zabo.zbrief.scrolly_zb_header.x
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