Wladimir Putin verspricht den Russen Einheit und stabile Verhältnisse. Michael Thumann erklärt, warum der in Wirklichkeit kaum noch etwas zu bieten hat. Und Wolfgang Bauer berichtet aus den Schützengräben der Ukrainer
Der Krieg hat in der Ukraine in den vergangenen Monaten eine Landschaft geschaffen, die Europa nur noch aus Geschichtsbüchern und Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs kannte. Aus Äckern und Feldern wurden Minenfelder, zerpflügt von Schützengräben, Laufgängen und Panzersperren, durchsetzt mit Unterständen und Bunkern.
Hunderttausende Soldaten sind auf beiden Seiten der Kampflinie unter die Erde gezogen. Der Mensch ist hier wieder Höhlenbewohner.
Die Soldaten beider Seiten beschießen einander mit Mörsern, Panzern und Maschinengewehren. Unsere Reporter haben an der Front erlebt, was der Stellungskrieg mit den Menschen macht, die ihn führen.
In Russland wollte Jewgeni Prigoschin, Führer der »Wagner-Gruppe«, sein Imperium retten und ließ Putin in den Abgrund blicken.
Was steckt hinter der abgesagten Revolte? Warum hat Jewgeni Prigoschin mit seinem »Marsch auf Moskau« Russlands politische und militärische Elite in Aufruhr versetzt – um schließlich doch 200 Kilometer vor der Hauptstadt kehrtzumachen?
Und Wladimir Putin? Der Katastrophe eines drohenden Bürgerkriegs gerade knapp entronnen, dankt er der Armee, der Polizei und dem Volk für die Einigkeit und die »harte eindeutige Haltung«.
Alles im Griff – das ist die zentrale Botschaft von Putin und dessen Propagandisten. Nach dem Zusammenbruch der Meuterei gibt man sich erleichtert, gelassen, triumphierend.
Doch die Macht des Präsidenten wirkte noch nie so zerbrechlich. Wie wird er reagieren?
Text: Wolfgang Bauer, Michael Thumann, Andrea Böhm, Alice Bota, Jörg Lau, Anna Sauerbrey
Fotos: Fotos: Johanna-Maria Fritz/Ostkreuz für DIE ZEIT; Mikhail Tereshchenko/TASS/action press (Putin); Stringer/Anadolu Agency/dpa (Prigoschin); dpa (Dmitri Tregin); Getty Images
Titelillustration: Benedetto Cristofani für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug