Wie sich Konzerne mit dubiosen Zertifikaten grünrechnen und mit gutem Gewissen weiter der Umwelt schaden
Weltweit setzen Unternehmen zum Erreichen ihrer Klimaziele auf CO₂-Kompensationen.
Um klimaschädliche Emissionen auszugleichen, kaufen sie sogenannte CO₂-Zertifikate. Es ist ein Markt entstanden, der über die Jahre explodiert ist.
Der weltweit führende Zertifizierer von CO₂-Kompensationen ist die amerikanische NGO Verra. 75 Prozent aller Emissionen auf dem freiwilligen Kompensationsmarkt werden unter ihrer Aufsicht eingespart.
Ein Baustein wird dabei immer wichtiger: Wälder. Wer das hört, mag denken: Irgendwo auf der Welt pflanzt jemand Bäume. So ist es aber nicht. Die Projektbetreiber versprechen, dass bestehende Wälder geschützt werden.
Einige der größten Konzerne der Welt kompensieren ihre Emissionen auf diesem Weg. Ölkonzerne sind dabei, Autobauer, Digitalfirmen, Logistik-Unternehmen und viele andere.
Der amerikanische Ökologe Elias Ayrey hat sich viele dieser Waldschutzprojekte angeschaut. Und einen Markt entdeckt, »in dem systematisch manipuliert« werde. »Und jeder weiß Bescheid«, sagt er.
Wie groß das Ausmaß ist, zeigen nun erstmals zwei Studien, deren Daten die ZEIT, der Guardian und SourceMaterial exklusiv auswerten konnten. Die Recherche legt nahe, dass über 90 Prozent aller darin untersuchten Zertifikate wertlos sind. Ein Haufen Schrott.
89 Millionen Tonnen CO₂ sind demnach als Geister-Zertifikate auf dem Kompensationsmarkt gelandet, das entspricht dem jährlichen Ausstoß von Griechenland und der Schweiz zusammen.
Text und Recherche: Tin Fischer und Hannah Knuth – in Kooperation mit der britischen Tageszeitung The Guardian und dem britischen Reporterpool SourceMaterial
Illustration: Rob Dobi
Fotos: Angela Ponce und Grant Hindsley für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Nele Justus, Johannes Mitterer, Christian Krug