Wir haben Schriftsteller nach ihren Hoffnungen auf das Leben im Jenseits gefragt. Einer ist sogar schon da gewesen
Péter Nádas, 80, Fotograf und Schriftsteller aus Ungarn, ist schon im Totenreich gewesen. Dreißig Jahre ist das her. Nádas hatte einen Herzinfarkt, wusste sofort, was geschah.
Doch irgendwer holte ihn zurück. Durchaus gegen den Willen des Sterbenden.
Nádas hat ein atemberaubendes, angstlösendes, tolles Buch geschrieben, Der eigene Tod heißt es. Minutiös beschreibt er den Sog, das Hinübergleiten in die andere Welt, Freiheit, Leichtigkeit, Erkenntnis, unendliche Erleichterung.
»Worauf freuen Sie sich nach dem Tod?« Mit dieser schönen, überraschenden Frage, die der Bestatter Julian Heigel auf Twitter gestellt hatte, hat alles begonnen.
ZEIT-Feuilletonchef Volker Weidermann hat diese Frage an Schriftstellerinnen und Schriftsteller geschickt.
Geradezu euphorisch antwortet die Schriftstellerin Mithu Sanyal, 52. Ja, sie freue sich. Darauf, all die Menschen wiederzufinden, mit denen sie im Leben »Seelenpakte« geschlossen habe. Außerdem freue sie sich darauf, dass im nächsten Leben »andere Naturgesetze« herrschen werden:
Helga Schuberts neues Buch erzählt von ihrer Liebe zu ihrem Mann, Johannes Helm, den sie Derden nennt, lange schon krank und pflegebedürftig. Über den viele sagen, er könne doch jetzt mal sterben, das sei doch kein Leben mehr. Helga Schubert sieht es ganz anders. »Was für eine Anmaßung gegenüber der Schöpfung, dachte ich.« Auf die Frage nach der Freude nach dem Tod schreibt sie:
Der Welterfolg des norwegischen Autors Karl Ove Knausgård begann mit dem Buch Sterben, Teil des Tausend Seiten langen, gewaltigen, mehrbändigen Ich-Werks Min Kamp. Im Gespräch mit Volker Weidermann befindet er: »Der Tod ist gar nichts«.
Worauf freuen Sie sich nach dem Tod?
Text: Volker Weidermann
Fotos: Paul Rousteau; Michael Althaus/KNA, Edmond Terakopian/eyevine/ddp, TomasWüthrich/13Photo, Katrin Binner/laif, Getty Images (Akchamczuk, magann)
Titelbild: Caspar David Friedrich, »Mondaufgang am Meer«, 1822, Nationalgalerie Berlin/bpk
Grafik und Animation: Anton Delchmann
Produktion: Christian Krug, Johannes Mitterer, Frederik Seeler