»Ich kann die Welt, meine Welt, mit einer Geschichte verändern«

Die Autorin Judith Hermann stellt sich der Geschichte ihrer Familie, Dirk von Lowtzow schreibt Tagebuch, und Historiker versuchen, Russland zu erklären. Die große Literaturbeilage der ZEIT zum Frühling

Woher ihr Schweigen kam: Judith Hermann spricht erstmals über die Entstehung ihres Buches »Wir hätten uns alles gesagt«. Darin erzählt sie von den Abgründen ihrer Familiengeschichte.

»Der Jähzorn meines Vaters brach aus heiterem Himmel über mich, über uns herein. Mein Vater raste. Er zerstörte das Mobiliar, zerbrach Dinge, er zerfetzte, zertrat, zerriss sie, er wütete, er hatte Schaum vor dem Mund. Anfälle. Wenn sie vorüber waren, mussten sich alle hinlegen. Die Welt war vernichtet worden.«

Judith Hermann macht in ihrem Text immer wieder deutlich, dass es sich zwar um eine radikal individuelle, doch zugleich um eine exemplarische Lebensgeschichte handelt:
Es sind unbearbeitete Traumata, die hier weiter­vererbt werden. Traumata der im Krieg geborenen Kinder.

Außerdem: Die aufregendsten Neuerscheinungen der Saison.

Der Wiener Schriftsteller Tonio Schachinger hat in seinem großartigen Roman »Echtzeitalter« dem schlimmsten und schönsten Lebens­abschnitt ein Denkmal gesetzt: Der Schulzeit.

Vielen gilt die Oper heute als elitär und reaktionär. Jetzt verteidigt Barbara Vinken in »Diva« leiden­schaftlich diese Kunstform:
Oft sprengten deren Frauenrollen mit Stimme und utopischer Kraft die realen Geschlechter­verhältnisse.

Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow hat im Lockdown ein fulminantes Tage­buch ge­schrie­ben. Er offenbart darin: »Seit meiner Jugend faszinieren mich Gemüse­beete, weil sie Ordnungs­systeme sind«.

Teresa Präauer hat ein zeitgenössisches Abendessen inszeniert. Unter Freunden soll nicht nur genossen, es darf auch politisiert werden, und der Abend gerät zum riskanten Spiel.

Seit dem Ukraine-Krieg fragen sich alle, warum Putins Reich so aggressiv nach außen agiert – in jahrhunderte­langer Tradition.
Welche Ant­worten geben Historiker und ihre aktuellen Bücher?

Lesen bis zum Horizont.
Romane und Sachbücher, die uns auf neue Gedanken bringen. Auf 48 Seiten.

Die große Literaturbeilage finden Sie in der neuen Ausgabe der ZEIT.

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Veröffentlicht am 25.09.2026
Credits

Fotos: Tom Schachinger: Philipp Horak für ZEIT Literatur; Tocotronic: Frank Hoensch/Redferns/Getty ImagesEsch-Kenkel/Ullstein; Teresa Präauer : Martin Stöbich; Ukraine: Wassili Wereschtschagin malte 1871 »Die Apotheose des Krieges«, Artefact/Alamy/Mauritius images; Judith Hermann: Bettina Theuerkauf für ZEIT Literatur
Illustration: Eric Petersen für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug, Frederik Seeler

Quellen
  1. 01DIE ZEIThttps://www.zeit.de/2023/12/judith-hermann-wir-haetten-uns-alles-gesagt-sommerhaus-spaeter-familie-trauma?wt_cc3=01w0011k0904inhemanew2303f%7bmid%7d&utm_medium=email&utm_source=zbrief&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0011k0904inhemanew2303f%7bmid%7d&wt_zmc=emanew.Int.zabo.zbrief.scrolly_zb_header.x
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