Wer in Russland vor Gericht steht, hat das Recht auf ein Letztes Wort, unzensiert und ungestört. Wir dokumentieren, was Kriegs- und Regimegegner sagen, bevor sie weggesperrt werden
Nach dem 24. Februar 2022 ist die Zahl der Festnahmen in Russland regelrecht explodiert. Paragraf 293 der russischen Strafprozessordnung gewährt jedem Angeklagten das Recht zu einer Schlussrede, unzensiert, ohne Zwischenfragen, ohne zeitliche Einschränkung. Das Posledneje Slowo. Das Letzte Wort.
Alexej Nawalny: Politiker, Blogger und Anti-Korruptions-Aktivist. Er wurde bereits mehrere Male zu Haftstrafen verurteilt. Diesmal lautet der Vorwurf, er habe eine »extremistische Gemeinschaft« gegründet. Letztes Wort: 20. Juli 2023
Maria Ponomarenko: Journalistin aus Barnaul, Westsibirien. Sie hatte auf Telegram einen Beitrag über den russischen Luftangriff auf das Theater von Mariupol verbreitet. Letztes Wort: 13. Februar 2023
Nikita Uwarow: Schüler aus Kansk, Sibirien. Er wurde im Alter von 14 Jahren verhaftet wegen Flugblättern, die zur Solidarität mit einem inhaftierten Regimekritiker aufriefen. Letztes Wort: 7. Februar 2022
Alexej Gorinow: Stadtverordneter im Moskauer Bezirk Krasnoselski. Er hatte bei einer Stadtratssitzung den Rückzug der russischen Truppen aus der Ukraine gefordert. Letzte Worte: 7. Juli 2022/19. September 2022
Alla Gutnikowa: Ehemalige Studentin einer Moskauer Eliteuniversität. Sie war Redakteurin der Studentenzeitung »Doxa«. Gutnikowa und drei ihrer Kollegen dort hatten ein Video veröffentlicht, in dem sie die Exmatrikulation regimekritischer Studenten kritisierten. Letztes Wort: 3. April 2022
Text: Alice Bota, Michael Thumann, Caterina Lobenstein
Fotos: dpa (9); SOTA (1); ITAR-TASS/imago (1); Fortanga.org (1); Telegram (2); Getty Images
Grafik und Animation: Anton Delchmann
Produktion: Nele Justus, Christian Krug, Johannes Mitterer