Sehnsucht nach Trost

Die Deutschen sind verrückt nach Caspar David Friedrich. Florian Illies erklärt, warum er in diesen finsteren Zeiten der Maler der Stunde ist

Ausgerechnet dieser Kauz, ein menschen­scheuer Frömmler, der sich nur in der Dämmerung vor die Tür wagte, ist zum Inbegriff der deutschen Ro­man­tik geworden. Caspar David Friedrich ist der große Erfinder der Sehn­sucht, einer der berühm­testen Künst­ler des 19. Jahr­hunderts. Aber wie macht man das, die Sehnsucht zu malen?

Vielleicht das über­irdischstes Werk von Caspar David Friedrich: sein Blick auf das »Große Gehege« vor den Toren Dresdens, 1832. Hier macht er die Natur zu einem herz­zer­reißenden Drama, ja, hier gelingt es ihm, für einen kost­baren Moment den Himmel mit der Erde zu versöhnen.

Gerade seine Himmels­dar­stellungen sind zu einem globalen Symbol für das geworden, was wir Sehn­sucht nennen. Seine Gemälde erzählen nicht nur vom Ver­loren­ge­gangenen, sondern zugleich von der Gegen­kraft der Kunst, von den Nebeln und den Himmeln, die trösten können.

Als Friedrich mit 20 Malerei studiert, spotten die anderen Maler, wie schlecht er Figuren zeichnet, also beginnt er damit, sich auf Bäume zu kon­zen­trieren. Wie kein Zweiter schaut er mit Andacht und Zärt­lichkeit auf jede Tanne und jeden Grashalm.

Es ist ein einzigartiger Zauber der Stille, der über jedem einzelnen von Friedrichs Bildern liegt. Die Natur hält kurz inne, wenn der Maler sie sieht, sie hält den Atem an für ihn, beim Großen Gehege, im Elbsand­stein­gebirge oder am Kreide­felsen.

Caspar David Friedrich erinnert uns an die heile Natur der vor­industriellen Land­schaft. So wird der Maler zu seinem 250. Geburts­tag im kom­menden Jahr auf ganz neue Weise wieder­entdeckt: als jemand, der die Schöpfung bewahren wollte mit seiner Malerei, als Pionier des Klimaschutzes.

Warum Caspar David Friedrich heute Menschen auf Instagram inspiriert und in welchen Aus­stellungen man bald seine Werke zu sehen bekommt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe derZEIT.

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Veröffentlicht am 25.09.2026
Credits

Text: Florian Illies
Abbildungen: Jürgen Karpinski/Staatliche Kunstsammlungen Dresden/bpk (Caspar David Friedrich, »Das Große Gehege«, um 1832); Hermann Buresch/bpk (Caspar David Friedrich, »Selbstporträt«, 1800) 
Titelbild: Caspar David Friedrich, »Frau vor der untergehenden (oder: aufgehenden) Sonne«, um 1818, Museum Folkwang Essen/akg
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Frederik Seeler, Christian Krug

Quellen
  1. 01DIE ZEIThttps://www.zeit.de/2023/45/caspar-david-friedrich-wanderer-klimaschutz?wt_cc3=01w0003k0904inhemanew2310f%7Bmid%7D&utm_medium=email&utm_source=email&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0003k0904inhemanew2310f%7Bmid%7D&wt_zmc=emanew.Int.zabo.email.scrolly_zb_header.x
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