Wie weit komme ich?

Immer noch schaffen es Kinder aus einfachen Verhältnissen selten nach oben. Das aber schadet dem ganzen Land. Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, viel mehr Menschen beim Aufstieg zu helfen

Talent, Fleiß und Ehrgeiz können Men­schen durchaus nach oben befördern – unabhängig von ihrer Herkunft oder dem Ein­kommen ihrer Eltern. Doch der Aufstieg ge­lingt oft nur mit großer Anstrengung.

Monika Huesmanns Mutter war Kranken­schwester, der Vater Masseur. Nach der zehnten Klasse ging sie vom Gym­nasium ab und machte eine Aus­bildung zur Erzieherin. »Studierte« waren für ihre Eltern jene, die anderen vor­schreiben, wie sie zu arbeiten haben.

Auch später, als sie in BWL promo­vierte, dann Professorin wurde, blieb sie unsicher in der aka­de­mischen Welt. Netzwerken, Kon­takte schließen, all das hatte Huesmann nie gelernt. Durch ihre Herkunft hatte sie einen unsicht­baren Nach­teil, der sie im Leben begleitete.

Der Start-up-Gründer Maximilian Lambsdorff dagegen hat un­sicht­bare Vorteile in sei­nem Leben ge­nos­sen. Er stammt aus einer alten Adels­familie. Früh wurde bei ihm ADHS dia­gnos­tiziert. Doch seine Mutter managte ihn durch die Schule. Er schaffte das Abitur und ging auf eine private Hochschule.

Mit 23 Jahren gründete er sein eigenes Unter­nehmen – das Start-up Express-Steuer, das Bürgern bei der Steuer­erklärung hilft. Schon jetzt hat er mehr als 30 Millionen Euro von In­ves­toren er­hal­ten. Wer weiß, ob aus dem strauchelnden Kind je ein erfolg­reicher Unter­nehmer geworden wäre ohne die Hart­näckig­keit seiner Eltern, bei denen Bil­dung, Geld, Kontakte und Wissen reichlich vorhanden waren.

Laut einer Studie der OECD kann es in Deutsch­land sechs Generationen dauern, bis Kinder aus ein­kommen­sschwachen Familien das Durch­schnitts­ein­kommn erreichen. Fällt der soziale Aufstieg leichter, geht es nicht nur dem Einzelnen besser, sondern dem ganzen Land und seiner Wirtschaft.

Mehr Investitionen in die früh­kind­liche Bildung könnten helfen. Einen größeren Ein­fluss aber hat das soziale Kapital der Eltern: Vorbilder, an denen sich Kinder orien­tieren können; Geduld, Mut und Selbst­vertrauen; ein sou­veräner Auftritt, der den Auf­stieg ermöglicht.

Warum Kinder aus Aka­demiker­familien noch immer einen unsicht­baren Vorteil haben und wie er sich laut Forschern über­winden lässt, lesen Sie in der aktuellen Aus­gabe der ZEIT.

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Veröffentlicht am 20.09.2023
Credits

Text: Carla Neuhaus, Ann-Kathrin Nezik
Titelfoto: Don Smith/Getty Images
Fotos: Portraits: Jewgeni Roppel für DIE ZEIT, Paulina Hildesheim für DIE ZEIT; Kindheitsbilder: privat
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Frederik Seeler, Christian Krug

Quellen
  1. 01DIE ZEIThttps://www.zeit.de/2023/40/karrierechancen-deutschland-herkunft-bildung-einkommen?wt_cc3=01w0011k0904inhemanew2309f%7bmid%7d&utm_medium=email&utm_source=zbrief&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0011k0904inhemanew2309f%7bmid%7d&wt_zmc=emanew.Int.zabo.zbrief.scrolly_zb_header.x
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