Die eigene Familie, aber auch die Weltgeschichte zeigen: Selbst die schwersten Konflikte sind nicht ganz ohne Hoffnung
Gebt euch die Hand, vertragt euch wieder – so einfach, wie dieser Satz es nahelegt, ist Versöhnung meistens nicht, außer bei Kleinigkeiten. Wenn es im Streit um Sieg oder Niederlage geht, ist es meistens zu spät.
Zur Versöhnung gehören in der Regel zwei. Beide geben ihre Fehler zu, bereuen und wollen auf dieser Basis ein neues Kapitel beginnen. Zur Vergebung aber kann ich mich auch ganz alleine entschließen.
Papst Johannes Paul II. hatte 1981 das Bedürfnis, den jungen Attentäter Mehmet Ali Ağca, der versucht hatte, ihn zu töten, im Gefängnis zu besuchen. Johannes Paul vergab Ağca und bat den italienischen Staat darum, ihn zu amnestieren, was im Jahr 2000 auch geschah.
Johannes Paul II. hat den ersten Schritt getan, der zur Versöhnung führen kann. 2014, nach dem Ende seiner Haftstrafe, legte Ağca zwei Sträuße weiße Rosen am Grab des Papstes nieder.
Besonders die Versöhnung zwischen verfeindeten Staaten muss für beide Seiten einen gewissen Mehrwert bringen, damit es dazu kommt. Selbst nach Vernichtungskriegen können Staaten wieder zu guten Nachbarn werden, wenn sie ähnliche Interessen haben. Insofern besteht auch für die Ukraine und Russland Hoffnung, sogar für Israelis und Palästinenser.
Wir sind Rudeltiere, Hass und Streit tun weh. Niemand fühlt sich wohl, der brüllt und um sich schlägt, egal, ob verbal oder mit Fäusten. Ganz im Gegenteil. Ein Teil des Schmerzes, den du anderen zufügst, strahlt immer auf dich selbst zurück.
Text: Harald Martenstein
Fotos: Ina Niehoff, Maša Stanić, Lucia Buricelli, Martin Perlaki, Kelsey McClellan (2), Paul Rosteau
Titelfoto: Francesca Tilio
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Frederik Seeler, Christian Krug