Die Koalition hat ein neues Wahlrecht beschlossen. Der Demokratie droht großer Schaden. Wie konnte das passieren?
Dass das Wahlrecht reformiert werden muss, damit der Bundestag nicht immer größer wird, bestreitet niemand. Statt der ursprünglich vorgesehenen 598 zogen zuletzt 736 Parlamentarier in den Reichstag.
Künftig hätte das Parlament noch weiter anwachsen können.
Mit der Wahlrechtsreform sollen aber in Zukunft
nie mehr als 630 Parlamentarier im Bundestag sitzen.
Die Ampel hat damit den tiefgreifendsten Umbau des Wahlrechts seit Gründung der Republik beschlossen.
Ein Detail des Gesetzesentwurfes sorgt bei vielen für Wut: die Abschaffung der Grundmandatsklausel. Manche bezeichnen das als »Anschlag auf die Demokratie«.
Die Grundmandatsklausel besagt, dass eine Partei, die mindestens drei Direktmandate gewinnt, selbst dann in den Bundestag einziehen kann, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt.
Profitiert hat davon bisher die Linkspartei, die immer stabil drei Direktmandate erzielte. Es gibt Modelle, die vorhersagen, dass auch die CSU durch die neue Regelung nicht mehr in den Bundestag kommen könnte.
Wird damit die Opposition verkleinert oder direkt aus dem Bundestag herauskatapultiert?
Text: Heinrich Wefing, Tina Hildebrandt und Robert Pausch
Illustration: Sina Giesecke und Mario Mensch für DIE ZEIT
Titelillustration: Liam Eisenberg für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Nele Justus, Christian Krug, Frederik Seeler