Wahrheit oder Propaganda?

Um keinen Konflikt ranken sich so viele Mythen, Lügen und Legenden wie um diesen. Fakten zum hundertjährigen Kampf zwischen Israelis und Palästinensern

Auf dem Spektrum zwischen Wahrheit und Lüge ist, wie in jedem Krieg, alles dabei. Man muss sehr genau hinsehen.

Redakteure und Redakteurinnen der ZEIT haben verbreitete Annahmen über den Konflikt geprüft.

Führer der Hamas treiben Propaganda. Soweit, so klar. Aber was ist mit den Zahlen der Todesopfer im Gazastreifen? Laut dem dortigen Gesundheits­ministerium wurden angeblich bislang 6747 Männer, Frauen und Kinder getötet. Laut Mitarbeitern der UN sind die Zahlen verlässlich. Aber die Statistik schlüsselt nicht nach Kämpfern oder Zivilisten auf. Alle zählen als »Opfer der israelischen Aggression«.

Als Armee eines Rechts­staates ist die israelische Armee, die IDF, glaub­würdiger als eine Terror­gruppe. Aber auch sie hat in der Vergangen­heit immer wieder falsche Angaben gemacht.

Dieser Satz ist häufig zu hören, weckt aber mehr falsche als richtige Asso­zia­tionen. In mehreren Einwanderungs­wellen kamen seit dem 19. Jahr­hundert jüdische Siedler nach Palästina. Sie waren zwar oft nationa­listisch gesinnt, aber auch auf der Suche nach Sicher­heit, knüpften an eine jahr­tau­sende­alte jüdische Geschichte in der Region an.

Die Siedlungspolitik des modernen Israel im West­jordan­land wiederum sieht dem imperialen euro­päischen Kolonialis­mus schon ähnlicher. Denn die Ansied­lung von Personen dient unter anderem dem Zweck, das Land zu beherrschen. Dennoch schafft das Vokabular des Kolonia­lismus mehr Verwirrung als Klarheit.

Auch wenn es so aussieht, als sei der Hass nach all den Jahr­zehnten chronisch geworden, er ist kein Natur­gesetz. Auch in früheren Zeiten schien die Lage hoffnungs­los, doch immer wieder öffnete sich ein Fenster für Diplo­matie. Warum soll es keinen neuen Versuch geben?

Der Krieg im Nahen Osten führt schnell in einen Strudel der Anschuldi­gungen und historischen Mythen.

Die brutalen Aufnahmen aus dem Nahen Osten fordern auch unsere Redaktion heraus. Die Art-Direktorin der ZEIT, Malin Schulz, fragt sich: Wie viele Bilder muss die Öffentlich­keit gesehen haben, um beurteilen zu können, was wirklich geschehen ist?

Warum die Verfizierung von Kriegs­bildern so schwie­rig ist und was Au­gen­zeu­gen aus Gaza be­richten, lesen Sie in der aktu­ellen Aus­ga­be der ZEIT.

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Veröffentlicht am 01.11.2023
Credits

Text: Yassin Musharbash, Jan Ross, Frank Werner, Josef Josse, Anna Sauerbrey, Jörg Lau, Michael Thumann, Malin Schulz
Fotos: Mohamed Salem/Reuters (Gaza, 17.10.2023); Oded Balilty/AP/pa/dpa
Titelillustration: Edmon de Haro für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Frederik Seeler, Christian Krug

Quellen
  1. 01DIE ZEIThttps://www.zeit.de/2023/46/israel-palaestina-konflikt-geschichte-mythen?wt_cc3=01w0011k0904inhemanew2311f%7bmid%7d&utm_medium=email&utm_source=zbrief&utm_campaign=scrolly_zb_header&utm_content=01w0011k0904inhemanew2311f%7bmid%7d&wt_zmc=emanew.Int.zabo.zbrief.scrolly_zb_header.x
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