In Israel hört man derzeit oft, der 7. Oktober sei der schlimmste Tag seit der Shoah gewesen. Wie empfinden das die Holocaust-Überlebenden im Land?
Yitro Jacobs Familie floh mit dem Zug aus Deutschland, heute lebt er im Kibbuz Alumim. Die Nazis, sagt er, hätten die Juden loswerden wollen, weil sie glaubten, dass sie dadurch zur größten Nation der Welt würden.
Pnina Katsirs Heimat liegt in der Bukowina, im heutigen Rumänien. Die Nazis verfrachteten sie und ihre Familie in ein Ghetto in der Ukraine, drei Jahre später kam die Rote Armee und befreite sie. 20 Jahre lang war Katsir danach in Therapie, um ihre Albträume behandeln zu lassen. Jetzt sind sie wieder da.
Moshe Weintraub wurde während des Zweiten Weltkriegs geboren. »Alle Juden in meinem Schtetl wurden ins Ghetto gebracht, nur ein Zehntel überlebte. Ich bin einer von ihnen.«
Seine Frau Miri kommt aus derselben Stadt in Rumänien, die beiden haben auf derselben Route von Konstanza nach Haifa übergesetzt. Seit dem 7. Oktober, sagt Miri Weintraub, finden sie nicht mehr zur Ruhe.
Regina Steinitz ist Berlinerin, oder sie war es. Seit 75 Jahren lebt sie in Israel. Als sie im Jahr 1948 ankam, habe sie die Erde geküsst. Sie hat die Kriege ihres Landes miterlebt, den Kampf um den Sinai 1956, den Sieg über die Ägypter, Jordanier und Syrer im Jahr 1967, den Jom-Kippur-Krieg sechs Jahre später. Der 7. Oktober 2023 aber sei anders gewesen.
Max van Dam lebt in Herzlia in einem Altenheim für niederländische Juden. Seine Mutter, seine Großeltern, seine vier Brüder wurden nach Auschwitz gebracht und ermordet. So viele Jahre habe er sich gefragt, warum ausgerechnet er überlebt habe. Für ihn hat die Shoah nie aufgehört.
In der ZEIT erzählen fünf Holocaust-Überlebende, warum sie die Hamas an die Nazis erinnert. Dazu beschreibt der Autor Navid Kermani, warum er an der linken Palästina-Bewegung in Deutschland verzweifelt. Und ein Rabbiner und eine jüdische Juristin streiten über die Lage ihres Volkes.
Text: Paul Middelhoff, Navid Kermani, Evelyn Finger
Fotos: Fabio Bucciarelli für DIE ZEIT (Holocaust Überlebende), Gabor Lengyel und Katarina Seidler; Mario Wezel für DIE ZEIT
Titelfoto: Ofir Berman für DIE ZEIT (die Holocaust-Überlebende Pnina Katsir)
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Johannes Mitterer, Christian Krug