Krieg, Klima, Krise – so vieles verdunkelt derzeit unser Leben. Wie kann man trotz allem eine innere Gelassenheit behalten?
Auf den Bildern des Zeichners Sempé sieht man um relativ kleine Menschen ungeheuer viel Platz, entweder leeres Weiß, eine große Stadt oder einen riesigen Strand. Kleine Leute im großen Raum, der nie bedrohlich wirkt, sondern immer voller Hoffnung.
Die kleinen Menschen sind intensiv mit dem beschäftigt, was sie gerade tun. Sie hängen Gedanken nach, tanzen, blicken aufs Meer hinaus. Die Kinder scheinen im Spiel versunken.
All die nicht schönen Gefühle, die zu unserem Leben gehören, sind in den Zeichnungen enthalten, irgendwo tief drin – aber sie sind verwandelt in etwas Glücklicheres.
ZEIT-Autor Axel Hacke begleitet schon lange die Sehnsucht nach solcher Heiterkeit. Wenn er den Begriff hört, denke er immer zuerst daran, wie gern er ein heiterer Mensch wäre, gelassen, entspannt, leicht durch die Tage schwebend.
Aber wir leben in anstrengenden Jahrzehnten, sind bedroht von Klimawandel, von Putin und von China, vom wirtschaftlichen Niedergang. Alles scheint schwierig, bedrohlich, furchtbar. Der Zeitgeist ist ernst.
Hacke fragt sich: Ist unsere Gesellschaft mittlerweile gefangen in einer von Angst und depressiven Verstimmungen geprägten Grundhaltung? Hat sie uns vergessen lassen, dass Heiterkeit immer eine Möglichkeit ist, das Leben zu sehen?
Es geht nicht um Verdrängung der Bedrohungen, denen wir uns gegenübersehen, sondern um die Frage, wie wir mit ihnen umgehen. Ob tiefer Ernst die einzig mögliche Sichtweise ist.
Es bedarf einer gewissen Anstrengung, das zu ändern. Heiterkeit kann man nicht als Tablette einnehmen, nicht bei Amazon bestellen und auch nicht bei einem Urlaubsveranstalter buchen.
Aber man kann sich frei machen von Erwartungen, vom Übermaß, von Selbstüberforderungen. Nachsichtig sein, anderen gegenüber und sich selbst.
Wir könnten das, von dem wir möchten, es möge in der eigenen Welt sein, erst mal in die Welt der anderen tragen. Interesse, Neugier, Zugewandtheit, Wohlwollen. Trost.
Das hieße auch: die Untröstlichkeit akzeptieren, Möglichkeiten sehen, freie Räume. Das Leben als das sehen, was es eben auch ist: ein Spiel.
Text: Axel Hacke
Titelbild: Jean-Jacques Sempé, aus dem Buch: Sempé in New York, © 2009 Diogenes Verlag AG, Zürich
llustration: Jean-Jacques Sempé, aus dem Buch: »Kindheiten«, © 2012 Diogenes Verlag AG, Zürich
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Frederik Seeler, Nele Justus, Christian Krug