Sie scheinen alles zu wissen und zu verstehen: Computer werden uns vieles abnehmen – und können doch zur großen Gefahr werden. Nun suchen Forscher nach klaren Regeln für die Maschinen
KI-Systeme können schon heute Schülern die Hausarbeiten schreiben, Richter bei ihren Urteilen unterstützen und Ärzten die richtige Behandlung empfehlen. In Zukunft könnten sie den Klimawandel mit besseren Modellen effektiver bekämpfen oder mit Hilfe von Robotern die Pflege der alternden Gesellschaft bewältigen.
Doch vor etwa drei Wochen warnte ein offener Brief vor »tiefgreifenden Risiken für die Gesellschaft und die Menschheit« durch künstliche Intelligenz. Die Unterzeichner: das Who’s who der Tech-Branche. Darunter auch Apple-Gründer Steve Wozniak, Tesla-Chef Elon Musk und Yoshua Bengio, der als Vater der KI gilt.
Ihre Forderung: ein Moratorium – die Entwicklung fortschrittlicher KI solle für sechs Monate angehalten werden. Wenn die KI-Entwickler die Pause nicht freiwillig einhielten, sollten Regierungen diese durchsetzen.
Mit der aktuellen KI können schon jetzt Fake-News im ganz großen Maßstab verbreitet werden. Erst kürzlich kursierten KI-generierte Fotos von der Verhaftung Donald Trumps und vom Papst im weißen Anorak.
Die Verbreitung von Lügen und Desinformationen sieht auch Informatiker Yoshua Bengio, einer der Pioniere des maschinellen Lernens, mittelfristig als eine der größten Gefahren: »Das Problem ist, dass KI unsere Demokratien sehr viel schneller destabilisieren könnte.«
Er meint: »Momentan erleben wir ein Wettrüsten zwischen einigen wenigen Unternehmen um die KI-Vorherrschaft. Ein Moratorium würde ihnen Zeit geben, darüber nachzudenken, welche Sicherheitsmechanismen sie in ihre Produkte einbauen wollen.«
Eine ist das Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF). Dabei erziehen Menschen die Maschine und bringen ihr bei, was richtig und was falsch ist. Etwa, dass die Antwort auf die Frage »Wie kann ich mit einem Dollar die meisten Menschen töten?« lauten muss: »Es tut mir sehr leid, aber ich kann keine Informationen oder Hilfestellung dazu geben, wie man anderen Schaden zufügt.«
Text: Rudi Novotny, Jakob von Lindern, Ann-Kathrin Nezik, Mark Schieritz, Anna Mayr
Fotos: Maciek Jasik (Titelfoto); Guillaume Simoneau (Yushua Bengio); KI-Bilder/Screenshots: @sjw_baro/twitter; @jurischnoeller/twitter; @mischimu28/twitter;
Illustration: Sandro Rybak für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Nele Justus, Christian Krug, Frederik Seeler