Keine Social-Media-Plattform wächst so rasant wie TikTok. Junge Menschen verbreiten dort Tanzvideos, Kochrezepte – und Suizidgedanken. Wie gefährlich ist die App?
Ein Einbeiniger schießt einen Strafstoß. Wisch. Ein Mädchen erklärt, wie man aus Kinder Bueno und Mandelmilch Eiscreme macht. Wisch. Eine junge Frau sitzt in ihrem Schlafzimmer und stylt sich die Haare. TikTok spielt Menschen kurze Videos auf das Smartphone, die andere Menschen aufgenommen haben, das ist die Idee.
Immer mehr junge Menschen laden sich die App weltweit herunter. Der durchschnittliche deutsche Teenager verbringt jeden Tag 95 Minuten auf der Plattform. Manche Inhalte auf TikTok sind lustig. Vieles ist Quatsch. Aber nicht alles ist harmlos.
Von Sucht ist die Rede. Von gefährlichen Mutproben, die Jugendliche zu bestehen versuchen, und von Suiziden – ausgelöst durch TikTok.
Immer wieder geht es in Videos um Einsamkeit, psychische Krankheit, fehlenden Lebensmut. Der Algorithmus registriert, wenn sich ein Nutzer dafür interessiert, zeigt mehr Videos von Menschen, denen es schlecht geht, die sich verletzen. Betroffene können durch TikTok noch tiefer in psychische Krankheiten fallen.
Auch politisch ist TikTok umstritten. Die Plattform gehört dem chinesischen Konzern Bytedance. In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Spionage-Vorwürfe erhoben, denn der Konzern sammelt mithilfe von TikTok Daten über seine amerikanischen Nutzer.
In Indien ist TikTok bereits gesperrt, ebenso in Jordanien und Taiwan sowie in dem US-Bundesstaat Montana. Der amerikanische Präsident Joe Biden hat wiederholt von einem möglichen landesweiten Verbot gesprochen.
Nach Ansicht vieler Experten geht es der US-Politik aber vor allem darum, amerikanische Social-Media-Plattformen wie Facebook, YouTube und Instagram vor der chinesischen Konkurrenz zu schützen. Unternehmen, die seit Langem und ganz legal Daten der amerikanischen Bevölkerung an andere Unternehmen verkaufen.
Wie harmlos oder wie gefährlich ist TikTok wirklich?
Text: Miguel Helm und Kerstin Kohlenberg
TikToks: @samir.yng, @chan_meme911, @jxl1xaaa, @siennawalkerr1, @jessiebluegrey, @hamburger_schnack, @gr_r34, @emiirbarak, @paintok.444, @emmaa__dilemmaa__, @pain_hub_hurts_right
Titelillustration: Edmon de Haro für DIE ZEIT
Grafik und Animation: Jan Schwochow
Produktion: Nele Justus, Christian Krug, Frederik Seeler